Monthly Archive for März, 2007

Schifferlversenken

Kinder tun es am liebsten mit ihresgleichen. Erwachsene ebenso und mit Vorliebe ein wenig horizontal angehaucht. Die wirklich wichtigen Menschen dieser Welt machen es immer und mit jedem. Spielen.

Da wird die eigene Zinnsoldatenarmee in die Wüste geschickt, Räuber und Gendarm auf hoher See gespielt und wenn dann das eigene Kanonenfutter verlustig geht, gibt man den schlechten Verlierer. Da wird dann drohgebärdet, verbalakrobatische Vernichtungspropaganda betrieben und schlussendlich nicht bloß mit Worten zurück geschossen. Das finden die Mitspieler dann meist nicht so fein und der Konter lässt nicht lange auf sich warten.

Im Unterschied zu herkömmlichen Spielen, gibt es hier allerdings weder Zeitlimit noch Punktehöchstzahl. Erst wenn das Spielmaterial ausgeht, heißt es Game Over. Und das kann bei stetig wachsender Weltbevölkerung noch dauern.

Föhn

Der Fettkloß zwängt sich als erster in die Straßenbahn und blockiert den Eingang. Weigert sich, auch nur einen Schritt weiter ins Wageninnere zu machen. Man gibt w.o. und zwängt sich vorbei und kommt schräg gegenüber eines nikotinvergilbten Langfingernagelträgers zu sitzen. Krawatte und Anzug sind speckig, das Odeur corporelle dementsprechend. Es wird eine Modeleisenbahnzeitschrift gelesen. Die Frau im beigen Trenchcoat, mit der man sich die Sitzbank teilt, bekreuzigt sich jedesmal, wenn wir eine Kirche passieren. Der übergewichtige Gangverstopfer rülpst und bohrt in der Nase.

Nach kurzer Fahrt zwängt man sich dann wieder nach draußen und wird um ein Haar von einem Kinderwagen niedergefahren. An dessen Steuer eine juvenile Mutter mit Clownfrisur. Das selbstbräunerfleckige Möchtegern-Yuppie-Paar schmust in Posingmanier vor dem Geldautomaten. Der naturgebräunte Obdachlose sieht aufmerksam zu und scheint sichtlich erregt. Eine Frau stolpert über den Bordstein und beschimpft diesen aufs Expliziteste. Sie scheint nicht allein - geistig. Das bürgerlich gewandete Pensionistenehepaar zankt sich ob der Wahl des bevorstehenden Mittagstisches. Sie will ein Brötchen im Stehen, er ein Schnitzel im Sitzen und geht davon. Die Frau bleibt verloren zurück und trottet letztendlich dem werten Gatten kleinlaut hinterher.

Im Himmelreich der k&k Imbissstubentradition angekommen, steht man Schlange. Ein Herr bugsiert seinen köstlichst befüllten Teller direkt in den Unterarm einer Touristin. Das gibt Scherben und einen Disput. Er ist beleidigt, bezichtet sie des vorsätzlichen Tuns, sie ist verwirrt, weiß nicht wie ihr geschieht und versteht die Welt nicht mehr. Er macht auf Schulmeister und verlässt lautstark tadelnd das Lokal. Zumindest seinen Pfiff hat er gerettet. Und dann ist man endlich selbst an der Reihe und der ganz normale Wahnsinn einer, dem warmen Westwind ausgesetzten Stadt hat sich bezahlt gemacht, um nun in aller Ruhe einer heimlichen Leidenschaft zu frönen. Da fehlen einem die Worte und das nicht nur wegen der Unaussprechlichkeit.

Podcast

„RAI im Gespräch mit…„ bezeichnet eine Diskussionsreihe, welche im Rahmen des Programms RadioAfrikaInternational stattfindet. Vierteljährlich laden die Moderatoren Florian Rainer und Cornelia Bredt zu einer Gesprächsrunde…

Kannibalismus

Der Vermarktungsapparat der Künstlerin lädt zur Sonderführung ins MAK. Die Selbstinszenierung funktioniert hervorragend. Das 80iger Jahre Ensemble ist vom Feinsten, Puffärmel mit Schulterpolster selbstverständlich. Die scheckigen Cowboyboots geben die nötige Bodenhaftung, die Lippen in trash-poppigem Blau und die Perücke mit mèches sitzt etwas verdreht am Kopf. Man gibt vor müde zu sein. Der Jetlag halt, weil gestern ja noch im Brooklyn Museum. Très chic.

Das kunstbeflissene Publikum ist hin und weg, hängt an den Lippen der Vortragenden, die dann auch gleich einen kleinen erschöpfungsbedingten Zusammenbruch inszeniert. Bumm. Da liegt die Künstlerin dann auch schon auf dem Boden. Zu Füßen der Zuhörer- und seherschaft rezitiert das selbst geschaffene Kunstobjekt dann aus Selbstverfasstem. Man ist ganz hingerissen von der Flut an Selbstdarstellung, die den ganzen Raum erfüllt. Konterfeis der Künstlerin an den Wänden, selbige im filmischen Porträt mit Dr. Love auf den Osterinseln unterwegs und dazwischen soweit das Auge reicht männliche Lustorgane. Très jolie.

Am Ende der Ausstellungsbegehung beklagt sich dann eine Teilnehmerin über die Missachtung des demokratischen Prinzips. Die Künstlerin verweigere sich dem Publikum, da sie die Grenzen der Kommunikation vorgebe. Da steige ich dann aus, denn wer geht schon ins Theater, um sich am Bühnendialog zu beteiligen? Entzückend dann der ältliche Kunstgroupie mit Pagenkopf, der an die innigst verehrte Künstlerin eine Rose überreicht. Zum Grande Finale dann noch eine Portion Selbstekel. Ein Teilnehmer bekennt sich schuldig ein Mann zu sein und schämt sich dafür - für das Geschlecht, versteht sich. Nun denn, dessen kann man sich in diesem Fall ja recht schnell entledigen. Schnipp, Schnipp. Welch gelungener Abend!

Nimm mich

Der Karli macht grad ein bissi auf Macho, weil er glaubt, dass er so bei Frauen gut ankommt. Ist wohl auf seinen letzten Besuch im Gartenbaukino zurückzuführen. Er fühlt sich durch gezeigtes filmisches Machwerk türkischer Provenienz bestätigt, dass Frauen grundsätzlich auf hysterisch lachend nach Bändigungsex Flehende und wortlos trauernd Verstoßene zu minimieren sind. Er hätte gerne eine Kombination aus beiden. Bei Bedarf immer willig & wild und nach Ausmusterung nicht weiter lästig. Geisteskraft scheint dieser Tage wohl weniger seine Stärke. Und die Beurteilung der Manneskraft überlasse ich in diesem Fall anderen.