Monthly Archive for März, 2007

Beispielsweise

Dass Nebensächliches durchaus aufmerksamkeitsfördernd sein kann, beweist Herr Neumann in der heutigen Standard Printausgabe. Unter dem Titel “Tag im Meer, Tag am Meer” wird dort der sportlich durchaus spektakulären, aber berichterstattungsmäßig doch etwas reizarmen Disziplin des 25km Schwimmens durch exzessive Wiederholung des Wörtchens “beispielsweise” die nötige Brisanz verliehen. Spätestens ab der dritten Erwähnung ist der Inhalt dann egal und man fühlt sich an Daniel Düsentrieb´s Rätselheft erinnert - Wörtersuchen. Auch das kann unterhalten.

Babel

Die Nobelpreisträgerin wird im Akademietheater gegeben. Wiederaufnahme. Die Brisanz und Aktualität ist gleich geblieben. Der Intellekt bleibt dem Körper weiter unterlegen. Zumindest in der öffentlichen Berichterstattung und den heimeligen Wohnstuben.

Die Produktionsmaschinen der Kriegsindustrie arbeiten nach wie vor auf Hochtouren. Die menschlichen Reproduktionszweiheiten ebenso. Das Kanonenfutter wird nicht ausgehen. Das Gute noch nicht dauerhaft erfunden. Da gilt es das Böse hundertfach mit Bösem zu vergelten.

Die Visualisierung des selbigen erregt aufs Höchste. Da liegen die trainierten Schenkelchen abgetrennt in der roten Lache. Der Sohn schreit nach dem Vater. Im Himmel oder sonstwo. Die Mutter weiß nicht was sie kochen soll. Gestern gab es einen Rohrbruch. Alles wird bildlich dokumentiert. Die Öffentlichkeit will teilhaben.

Die Abwesenheit der reizüberflutenden Inszenierung, der man im Zwillingsstück ausgeliefert war, macht den Handlungsstrang noch stringenter und das Erleben unmittelbarer. Kaum visuelle Schnörkel. Dafür ganz viel Sprachflut, Lichtspiel bis hin zum Scheinwerferbombardement, von der musikalischen Untermalung durch den Dankeschor ganz zu schweigen. Nur Kermit hat´s am Schluss die Sprache nicht verschlagen. Quack, Quack.

Logistik

Das Lieblingsprodukt ist nach längeren Lieferschwierigkeiten endgültig aus dem Sortiment genommen worden. Das Angebot im Warenlager hat DDR Charakter. Die Regale verstaubt und mäßig bestückt. Das, was da ist, unaufregendes Einerlei. Massenware ohne Qualitätsgehalt.

Man nimmt Kostproben, kommt aber nicht wirklich auf den Geschmack. Man will die salzige Frische der Auster und bekommt die ranzige Würze eines im Brotkasten vergessenen Milchweckerls. Trostlos das freudlose Knabbern am trockenen Rosinenkuchen, während man vom zuckersüßen Sahnetörtchen träumt.

Doch die Zeit der Tristesse scheint nun vorbei. Flink zum Schneebesen gegriffen und sie werden vielleicht doch noch wahr, die Träume, denn jetzt gibt es Männer zum selber Backen!

Revoluzzer

Wenn etwas als das Größte und Beste je dagewesene angekündigt wird, ist Vorsicht angebracht. Das ist wie in der Liebe. Herr und Frau Prahlhans haben selten was zu bieten. Da ist die Enttäuschung im Gegenteil ganz schnell, ganz groß.

Wenn sich nun eine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt bereits im Vorfeld ihrer kongenialen Programmreform rühmt, verhält sich das nicht anders. Da sind Zweifel an der Qualität selbiger zulässig. Noch dazu, wenn man sich für die Umsetzung der kreativen Ergüsse des auf Popstar Chic gestylten Castingmaterials bedient und mit ein wenig Seitenblicke Haute Volée garniert, des Senders Lieblingskabarettist die halbe Familie und den Freundeskreis mit aufs Set bringt und eine Kultsendung zur Next Generation mutiert.

Auch die Genialität exclusiver Hausbesuche bei singenden Schneemännern ist hinterfragenswert. Die geschmacksfördernde Wirkung eines Supper Clubs allemal. Dafür achtet man bei der Programmauswahl auf die Gesundheit. Weil bei dem Angebot wird man als Couchpotatoe zum Fernbedienungsathleten und das nicht nur aufgrund der Fülle an Sportberichterstattungen.

Dranbleiben verspricht visuell orgiastische Zustände. Dabei wird vor allem auf die Wirkung der Wilden aus dem 8en gesetzt. Na wenn uns da bloß nicht Hören und Sehen vergeht. Der 10. April wird´s weisen.

Klappensex

Gestern wieder mal mit Karli unterwegs. Kino. Danach ein kleiner Umtrunk. Sehr anstrengend. Weil Karli zuvor noch kurzfristig an der Filmvorführerin entflammt ist. Muss eine Stichflamme gewesen sein. Blendung. Und am Klo war´s auch dunkel.

Den Film haben wir dann aus der letzten Reihe genossen. Wegen der Nähe zum Vorführkammerl - ratter, ratter. Blöd nur, dass die gute Frau nach der Vorstellung plötzlich ein Mann war. Schlecht gelaufen, Karli. Das nächste Mal dann vielleicht doch wieder mit statt ohne - Brille.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.