Monthly Archive for April, 2007

Blau machen

Rettungsversuche

Die einen haben sich die Rettung des Weltklimas und der Umwelt auf die Fahnen geheftet, die anderen schreien SOS, weil sie um den Fortbestand der volkseigenen Kultur und Sprache fürchten und dann gibt es noch jene, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die ganze Menschheit zu retten. Genau genommen müsste diese allerdings eher vor den selbsternannten Rettern geschützt werden und da macht es wenig Unterschied, ob es diese aus der Politik, Religion oder sonstigen heilsversprechenden Brutstätten an die Oberfläche der öffentlichen Wahrnehmung geschafft haben.

Da scheint es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich gerade im Land der selbsternannten Weltrettungsbrigarde ein Student die Menschheitsrettung so sehr zu Herzen genommen hat, dass er in einem beispiellosen Akt der Selbstlosigkeit nicht nur sich, sondern auch gleich mehrere Dutzend seiner Kommilitonen vom Übel der Welt und seinem Ekel befreit hat. Das nennt man dann wohl über das Ziel hinausschießende Nächstenliebe und man fragt sich nicht ohne Grund, warum sich bisher noch kein Retter des Zukunftsoptimimus gefunden hat. Aber damit lassen sich dann halt keine Schlagzeilen machen.

Vorsicht Falle

Das hat man davon. Kaum wird ein wenig über das Radfahren gelästert, schon passiert´s. Das Fahrrad nimmt Rache und das durchaus nicht unspektakulär. Da radelt man gemütlich bei 25° C Außentemperatur durch die Stadt in Richtung Arbeitsplatz, als plötzlich gar nichts mehr geht.

Das rechte Bein hängt fest, genau genommen das Hosenbein. Und schnell wird klar, warum Levis Strauss mit seinen robusten, blauen Baumwollhosen einen so durchschlagenden Erfolg eingefahren hat. Die reißen einfach nicht, die Jeans, oder zumindest dann nicht, wenn sie sollen. Also steckt das Bein in der Hose und diese eingeklemmt zwischen Zahnrad und Antriebskette.

Hilflos wie ein Käfer am Rücken macht man also mit dem anhänglichen Fahrrad auf Siamesischer Zwilling und sich nicht nur vor den Basilisken der Votivkirche zum Gespött. Doch was tun, wenn keinerlei Schneidewerkzeug in der Nähe und das Zahnrad die Hose trotz massiver Gewalteinwirkung durch Zerren und Reißen einfach nicht herausrücken will.

In dieser Groteske gefangen, überlegt man den gewagten, doch durchaus vielversprechenden, Schritt, ein wenig auf Flitzer zu machen und sich der eingeklemmten Hose zu entledigen. Da das dann aber in der stark frequentierten Innenstadt vielleicht doch unerwünschte Konsequenzen nach sich ziehen könnte, bleibt man dann doch lieber Mrs. Bean mäßig und schüttelt und rüttelt das Beinchen wie wild, in der Hoffnung vielleicht doch irgendwann des widerspenstigen Zweirades verlustig zu gehen. Doch dieses bleibt gnadenlos und unnachgiebig.

Doch endlich naht er, der rettende Engel. Endlich erbarmt sich ein Passant der einer unwillkürlichen Situationskomik Ausgelieferten und schon ist die Hose mit ein paar gekonnten Griffen aus dem Zahnrad befreit. Man ist beglückt und dankt voller Überschwang.

Und soviel steht fest: Über das Radfahren wird so schnell nicht mehr gelästert!

Vinifikation

Ein wochenendlicher Ausflug an die Gestade der Langen Lacke bringt nicht nur körpertechnisch neue Ein- und Ausblicke, sondern hält auch bildungsmäßig das eine oder andere Schmankerl kulinarischer Originität bereit.

Während man winterschlafbegründeten Muskelverkümmerungen den längst überfälligen Milchsäurekick verschafft und zu diesem Zweck mit Familie und Wauwau durch die Schilflandschaft trabt, wird man ob aufmerksamkeitsheischender Gebäudebeschilderungen der Tatsache gewahr, dass es der Weinbau mittlerweile zu einer Eintragung im Fremdwörterbuch gebracht haben dürfte (s. Titel).

Und wenn man sich schließlich, erschöpft von der Wanderung und nach einem ausgiebigen Fuß- und Sonnenbad im respektive am bereits hochsommerlich temperierten See, eine kleine Stärkung gönnt, kommt diese in Form eines kreolischen Nudelgerichts an italienischem Salat mit burgenländischem Dressing, wobei letzteres ein kräftiges Essig-Ölgemisch bezeichnet. Nouvelle Cuisine à la Podersdorf und wieder was gelernt!

Entropie

Kaum klettert die Quecksilbersäule über die 20-Grad Marke, brechen sie schon wieder aus, die verkehrstechnischen Chaostage. Da wird dann auch bei mäßigem Verkehrsaufkommen der Stau simuliert, gebremst, gehupt, auf der linken Spur geklebt, überholen unmöglich gemacht und verbalfäkalisiert was das Zeug hält.

Und es geht hier nicht um vierrädrige Blechlawinen, sondern unmotorisierte Zweiräder, die der Chaostheorie folgend am Radweg in den Wahnsinn treiben. Klingelingeling!