
Monthly Archive for Mai, 2007
Der Sommer beginnt nun schon im Frühjahr und bringt neben wunderbarem Sonnenschein und hundstagemäßiger Hitze auch Herrn und Frau Insekt ins Haus. Da bahnt sich die Ameise ihren Weg vom Balkon ins Wohnzimmer, gefolgt von einer knallgrünen Heuschrecke und auch der Marienkäfer scheint sich in der Wohnung wohler zu fühlen als im Freien. Alles schön und gut, nur will man hier ja nicht auf Krabbelstube für chitinbepanzerte Kriechtiere machen und so bugsiert man die illustre Schar schleunigst zurück auf den Balkon. Und dort sollen sie doch auch bitte bleiben, wünscht Frau Dr. Doolittle.
Offensichtlich ist man aber der Insektensprache nicht wirklich mächtig, denn schon kommt die fette Stubenfliege angebrummt, die Ameise versucht ein weiteres Mal den Sturm aufs Wohnzimmer und hat auch gleich Verstärkung mitgebracht und Familie Wespe macht sich froh und munter an den Bau eines Kugelnestes im Schutze der Karniese. Das geht nun aber wirklich zu weit und man fährt mit einem Regenschirm großes Geschütz auf und stochert damit wie wild am Rohbau herum. Dieser fällt dann schließlich zu Boden und man selbst der erbosten Flugmeute um ein Haar zum Opfer und schließlich völlig erschöpft vom Insekten-Domptieren ins Bett.
Und als dort dann ein RIESIGER, schwarzer Schatten über die Wand huscht und man aus dem Augenwinkel acht Beine identifiziert, ist es vorbei mit der gewaltfreien Koexistenz zwischen Hausgetier und Mensch. Weil da löst die Panik dann ganz schnell die Tierliebe ab und der Hausschuh wird zum Mordwerkzeug und macht seiner umgangssprachlichen Bezeichnung alle Ehre, denn PATSCH und schon ist es aus, das Spinnenleben.
Wenn sich ein in die Jahre gekommenes, ehemaliges Riot-Grrrl eine E-Gitarre umschnallt und auf Grunge-Mädchen macht, kann es sich entweder nur um die Begleitmusik des Orpheus´schen Federballs handeln, oder aber man befindet sich bei einem Kunsthappening für dem kindlichen Spieltrieb verhaftete Großstädter.
Und weil Zweiteres im gegebenen Fall zutrifft, bestand die Bühne dann auch weniger aus den Brettern, die die Welt bedeuten, als vielmehr jenem Musizierzelt, welches die Künstlerinnen Kim Gordon und Jutta Köther aktuell im MAK aufgeschlagen haben. Rein ins Zelt, ran an die Instrumente und los geht´s.
Doch nach 3 Minuten Rockröhren-Dasein war der Protagonistin schnell klar, dass es für die große, respektive überhaupt Karriere im Musikbusiness nicht reichen würde. Dort ist dann neben dem Hang zur Selbstdarstellung doch auch ein wenig musikalisches Talent gefragt, zumindest abseits des Mainstreams von “Popstars” & Co. Und weil man sich selbst doch eher in den Gefielden des Experimentellen und Unabhängigen beheimatet sieht, wird diesen auch weiterhin gefrönt, als aufmerksam lauschende Zuhörerin.
Und für alle Interessierten hier das Oeuvre aus dem Hause comalab:
Kaum setzen heftige Aufwärtsbewegungen an der Quecksilbersäule ein, steigt auch das körpereigene Aktionspotential. Der Tatendrang meldet sich aus der winterlichen Traumlandschaft zurück, die sporttechnischen Transmitterstoffe werden im Akkord produziert und der Muskelapparat verlangt nach Bewegung.
Also runter in den Keller, Rad ausflugtauglich gepumpt und schon geht es in Richtung Wienerwald. Die Fahrt ist jedoch bald zu Ende, weil der Hinterreifen schon nach 200 Metern platt ist. Also wieder retour, Autoschlüssel geholt und motorisiert zur Laufstrecke. So bleibt zumindest ein wenig Zeit, um sich auch mental auf die kommende Sportstrapaze vorzubereiten. Denn wenn der Körper willig, gilt das noch lange nicht für den Geist.
Diese Tatsache scheint im gegebenen Fall allerdings zweitrangig, da es mehr die äußeren Umstände sind, an denen das Sportprojekt zu scheitern droht. Denn kaum ist man 2 Minuten in den Wald hineingehopst, reisst das Schuhband. Also zurück zum Auto und wieder gen Heimat.
Man gibt nicht auf und wagt eine weitere sportliche Offensive und macht sich schwimmbadfit. Voller Elan geht es Richtung Badespass. Man hüpft aus dem Auto und geistig auch schon ins Wasser, aber o weh, was hängt denn da für ein Schild an der Eingangstür: “Heute wegen Wartungsarbeiten geschlossen”.
Wenn Worte zum reissenden Strom werden und einen die Sprachgewalt wie ein Sog in die Tiefen des Gesagten zieht, dann ist man mittendrin in einem Stück von Elfriede Jelinek. So etwa am vergangenen Samstag im Burgtheater im Kasino, als ein Text der Sprachvirtuosin gegeben wurde, der es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hatte.
Die Frau als reiner Gegenstand der männlichen Lustbarkeit. Deindividualisierung und Entmenschlichung, die dann doch gerade wieder dem Individuum und seinem menschlichen Bedürfnis nach Machtausübung und Lustgewinn zu dienen haben. Sklavinnen einer entarteten Maschinier der Selbstbestätigung in einer reizüberfluteten Konsumgesellschaft. Schneller, härter, billiger.
12 Klaviere und 1 Schauspielerin heben an zum Abgesang auf Respekt und Menschenwürde. Ein literarisches Meisterwerk, welches die Handschrift des Grauens trägt, und kein bisschen Hoffnung.


Suppenwürze