Monthly Archive for Mai, 2007

Karaoke

Die Alten sind halt immer noch die Besten und so pilgerte man Dienstag Abend ins MAK zu einer installierten Performance von Sonic Youth´s Kim Gordon und huldigte danach im Flex den Mannen von Fu Manchu.

Und man ist begeistert. Im Museum ging es ganz in der Tradition des kinder- und jugendfördernden Kunstpädagogen Franz Cizek höchst spielerisch zur Sache und es durfte in einem an Schlingensief´s Animatorgrafen erinnernden Kitsch-Nomadenzelt auf der Heimorgel herumgedrückt, ins Mikro gepipst und dann auch noch ein CD Cover entworfen werden. Tonmäßig begleitet von Frau Gordon, die aus der Videokonserve zugeschalten war und die reale Performance ihrer Kunstfreundin Jutta Koether überließ. Erinnerte alles ein wenig an längst vergangene Tage als noch gemeinsam mit den Geschwistern auf Kochtöpfen und Harmonium krawallt und dazu in Grusel-Spuk Manier verbalisiert wurde. Der MAK-Hausherr Noever huschte dazu passend im schwarzen Ballonmantel als Fledermaus getarnt durch das Geschehen.

Man selbst huschte dann flugs in den Untergrund, um sich dort noch etwas Stoner Rock aus dem sonnigen Kalifornien zu Gemüte zu führen. Und die Herren um Scott Hill beherrschen ihr Metier auch nach - oder gerade wegen - nahezu 20 Jahren Musikbusiness mit allen Höhen und Tiefen einwandfrei. Dazu auch noch ein Collegeboy-meets-Grunge Berufsjugendlichenaussehen. Und man schließt mit einer an Cizek angelehnten Jutta Koether: “It´s not a matter of desire it´s the way how to desire.”

Zwergenaufstand

Nachdem der Riese nach der größten Programmreform aller Zeiten vorerst einmal in Richtung Sackgasse unterwegs ist, beschert das bunte Treiben der Zwerge dem Publikum durchaus passable Unterhaltung und sorgt für frischen Wind in der heimischen Fernsehlandschaft.

Da darf etwa gestaunt werden, wenn zeitgleich auf “metro” und “wie bitte” Herr Kavka zu seinem aktuellen prosaischen Erguss befragt wird und der Wiener Stadtsender schlichtweg das unterhaltsamere Zwiegespräch liefert, und das sogar ohne gröbere Hoppalas der Frau Richtar. Wobei die musikversierte Frau Merio als Interviewerin angebrachter gewesen wäre, aber man kann ja nicht alles haben.

Und noch größer war dann das Erstaunen bei “Kochen mit Kids” auf ATV. Denn dort gibt es neuerdings einmal keine Ritalin-gesteuerten Juvenilnervensägen, sondern ein wenig Lampenfieber mit Kindercharme inklusive einem auf Slow-Food spezialisierten Moderatorenpärchen, welches endlich auch einmal eine Ahnung davon hat, was es macht, nämlich kochen. Und das schwangerschaftsbedingte Kugelbäuchlein von Frau Eselböck ist nicht nur bagschierlich, es ist auch ein Hoffnungsschimmer, dass sich Rollenclichées hinsichtlich Mutterschaft und Werktätigkeit endlich vollends auflösen. Überraschend und höchste erfreulich, die Fortschrittlichkeit im Zwergenland.

dreizuzwei

Dass die Grün-Weißen immer schon hoch hinaus wollten, ist ja nichts Neues. Zwischendurch war man ja sogar ganz oben, nur dann kamen die Red Bulls aus Salzburg und aus war´s mit dem Höhenflug. Gegen ein flügelverleihendes Erfrischungsgetränk war man einfach chancenlos und auch der gute Rat plötzlich teuer, in Hütteldorf. Was also lag da näher, als ein wenig mit der europäischen Luft-und Raumfahrt zu liebäugeln. Mit dem Eurofighter ließe sich schließlich ganz schnell an Höhe gewinnen und, wie meinte einst George Orwell, “Sport ist wie Krieg, ohne zu schießen”. Nun hat der Herr Klubpräsident, der im früheren Leben auch einmal Finanzminister war, den Schuss fürs Erste im eigenen Tor versenkt und das ist ja meist nicht so gut.

Da erging es Senderchefin Eigensperger am Wochenende weit besser. Ihr gelb-schwarzes Team bewies am Samstag Bodenhaftung und Ballgeschick. Grisse- Stermann & Co. plazierten das runde Leder gekonnte drei Mal im gegnerischen Tor und sorgten für eine kleine Fussballsensation in Stadlau. Sie haben dem Gegner das Fürchten gelehrt, aber “Don´t be afraid, baby. It´s only FM4!”

Druckfehler

Unkontrolliertes Herumdrücken auf der Fernbedienung der Flimmerkiste kann sonntags schwere Folgen haben, speziell am Vorabend. Während auf Puls TV Formate wie “Metro” und “Connect it” zunehmends positiv überraschen, fällt man bei einer irrtümlichen Zappung auf ORF1 fast von der Couch. Denn da ist es, das Grauen mit dem Trademark Muttermal, knallpinkem Kopfschmuck und einer Gästeschar, die sich offensichtlich am Suchtmittelschrank vergangen hat, denn anders ist das Dargebotene beim besten Willen nicht zu erklären.

Ein in der Volksmusikbranche umtriebiges Pärchen wusste händchenhaltend von diversen komabedingten Auszeiten zu berichten, offensichtlich ein Weg zu einer glücklichen Beziehung. Und machte zu guter Letzt auch aus einem als fahrlässig zu bezeichnenden Umgang mit Schmerzmitteln keinen Hehl. Die Moderatorin gutierte das Gesagte mit einem Lächeln und wollte dann auch noch ein wenig über Essstörungen plaudern. Einfach so. Aber eigentlich sind 44kg Lebendgewicht für eine erwachsene Frau eh nicht weiter besorgniserregend. Gell, Antonia.

Dann noch ein mausgraues Fadauge, das von der Coolness des Daseins als Großstadttarzan zu berichten wusste und sich beim Über-Mauern-Springen und Rauchfänge-Raufkraxeln filmen ließ, ohne Hinweis darauf, dass das vielleicht eher weniger was für den ungeübten Couchpotatoe ist. Aber bitte. Bei der schleichenden Kamera - sorry an den Filmer, aber das war wirklich übel - und den Protagonisten bestand sowieso keine Gefahr der Nachahmung eher zentralnervöser Ausfallserscheinungen und es scheinen ob der Nebenwirkungen Beipackzettel für den Fernsehtrash höchst an der Zeit.

Vorsingen

Wieder einmal hat es die Gesandtschaft des Operettenstaates nicht ins Finale des Song Contests geschafft und wenn man sich den Auftritt Eric Papilayas ansieht, verwundert das auch nicht weiter und führt wieder einmal ein typisch österreichisches Möchtegern-Entertainmentproblem à la “Mitten im 8en” vor Augen.

Denn da wird mit viel Tralala auf große Hose und Popstar gemacht, nur gleichzeitig halt auch volles Rohr am Zeitgeist - zumindest jenem eines Eurovision Song Contests - vorbeigesungen. Und das alles noch hochgradig unlustig, weil der Sängerknabe vielleicht ein braver Schüler, aber halt bei Gott kein Entertainer ist. Und es bleibt, ob eines Übermaßes angestrengter Bemühung um die Gunst des Publikums, ein fader Bei- und Nachgeschmack. Fatal für die Teilnahme an einer Veranstaltung, die mittlerweile vor allem durch hemmungslose Persiflierung und Selbstironie glänzt - Stichwort: Lordi.

Und weil aus Publikumsvoting-Eintagsfliegen nie und nimmer fette Brummer werden und Meister einfach nicht so vom Himmel fallen, sollte man im nächsten Jahr dann vielleicht doch einmal erfahrene Brachialklamauker mit ein wenig Musikverständnis zur medienwirksamen Sing-a-Song-Chose schicken. Denn neben einem Herrn Austro Fred oder der Familie Drahdiwaberl würden selbst finnische Monstermaskensänger blass aussehen.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.