Monthly Archive for Juni, 2007

Bukarest

Die osteuropäische Metropole ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und hält wieder Hof. Und so kommen sie in Hundertschaften, die internationalen Investoren, Manager und Weltenbummler und erliegen der Schönheit und Lebensfreude einer Stadt, die aus den Schatten der Vergangenheit und in den Euro-güldenen Schein der Gegenwart getreten ist.

Während die österreichische Handelsdelegation über die bevorstehende Marktsondierung fachsimpelt, verliert sich das slowakisch eingefärbte Englisch der Stewardess im Bordlautsprecher und man selbst ist mit tschechischen Rucksacktouristen ins Gespräch vertieft ist.

Buntes Sprachgewirr begleitet den Anflug auf das Paris des Ostens – Bukarest. Wobei der erste Eindruck dann eher Assoziationen an Schlumpfhausen denn die Seinemetropole aufkommen lässt, empfängt einen die Ankunftshalle des „Aeroportul Baneasa“ doch in quietschblau und schlumpfentypischer Kugelform. Doch spätestens als Bus 783 der Bukarester Verkehrsbetriebe in die überbreite Soseaua Kiseleff einbiegt und die Fahrt vorbei am Triumphbogen und entlang des Herastrau Parks und der ihn säumenden Vorstadtvillen führt, fühlt man sich doch sehr an die Champs-Elysées erinnert, nur eben ein paar Längengrade östlicher.

Und dass es gerade der Osten ist, der momentan die Aufmerksamkeit internationaler Investoren auf sich zieht, ist hier allgegenwärtig. Auf den beiden großen Plätzen Piata Romana und Piata Unirii gleichen die Leuchtreklamen der um die Gunst der Konsumentenschaft buhlenden Global Player einer Leistungsschau der ökonomischen Superlative in deren Reihen auch heimische Unternehmen zu finden sind. Und so bedient man alsbald den Geldautomaten der Raiffeisenbank in downtown Bukarest und schlürft Meinl Kaffee vor den Toren der Bukarester Universität.

Die Stadt steckt voller Lebensfreude. Sie hat sich aus der Starre der Vergangenheit und dem Schrecken einer dem Größenwahn verfallenen Diktatur gelöst und wieder zu sich selbst gefunden – der Stadt der Freude, wie sie der Legende nach heißt. Und so spielt sich das Leben wieder auf den Straßen ab, es wird flaniert, rund um den Universitätsplatz und den Boulevard der Königin Elisabeth. Man trifft sich auf einen Imbiss in der überdachten Passage Villacross gleich hinter der Nationalbank oder macht Halt an einem der vielen Straßenläden, die mit verlockenden Süßigkeiten und Bratwaren aufwarten können. Auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen bietet der im Westen des Stadtzentrums gelegene Cismigiu Park mit kleinem See, Ruderbootverleih und hunderten grün lackierten Stühlen und Bänken den notwendigen Raum für den Rückzug aus dem hektischen Treiben einer aufstrebenden Boomtown, die es in den vergangenen Jahren auf bis zu 20% Wirtschaftswachstum gebracht hat.

Plattenbau, Bonzenburg, Patrizierhaus und Gehöft stehen in Bukarest Mauer an Mauer und in der Stadt deren Bevölkerung einst tage- und nächtelang ohne Strom und Heizung ausharren musste, prägen nun die Kühlgeräte der Klimaanlagen die Fassadenlandschaft. Auf den der Gigantomanie des Nicolae Ceauşescu entsprungenen Boulevards zwängen sich heute anstelle der Militärparaden Autos Stoßstange an Stoßstange durch einen Verkehr, dessen Regelung sich Ampeln und Polizei in zeitgleicher aber gelegentlich asynchroner Arbeitsteilung annehmen. Fußgänger haben klaren Nachrang und müssen sich den Gehsteig mit parkenden Limousinen teilen, denn Platz ist knapp und Autos längst mehr als bloß Transportmittel. So macht sich auch hier der wirtschaftliche Aufschwung bemerkbar und nur selten sieht man einen alten Dacia über das Kopfsteinplaster holpern.

Und doch gibt es auch ein Bukarest jenseits von Oracle Tower und der Sun Plaza Shopping Mall. Es ist das Bukarest in dem nachts vor allem die Kellergeschoße beleuchtet sind, weil die belle Etage Einsturz gefährdet ist, in dem alten Menschen vor den auf Hochglanz polierten Geschäftsportalen der Innenstadt ihren Lebensunterhalt erbetteln und die Armenviertel im Südosten der Stadt von Gewalt und Hoffnungslosigkeit regiert werden. Auf sie darf nicht vergessen werden, während sich der internationale Geldregen über die Stadt ergießt und aus Dornröschen Bukarest eine Königin wird.

Sozialsegmentierungssensibilisierung

Wenn man sich an einem hochsommerlichen Samstag Abend “Wetten dass…” live aus Mallorca ansieht, ist man vor allem eines: selber schuld. Denn der Unterhaltungsdinosaurier aus den 80iger Jahren treibt einem nicht nur wegen der sommerlichen Hitze den Schweiß aus den Poren, sondern auch und vor allem aufgrund der fast bedrohlichen Schwere eines vom Prinzen zum Frosch mutierten Fernsehungeheuers.

Und so schwitzt man dann doch lieber mit und bei König Lear im Burgtheater und hält es nicht nur in Bezug auf den König von Mallorca und seine Vasallen mit dem Grafen von Gloster, der da meinte “Es ist ein Fluch der Zeit, dass Verrückte Blinde leiten”.

Böse Geister

Während Frau Merio auf Puls TV die Bienenretterin mimt und mit gar apokalyptischen Thesen zum weltweiten Bienensterben aufwarten kann, greift zeitgleich Frau Pölzl auf ORF1 tief in die Weltuntergangskiste und mahnt im Zombioutfit und mit bedeutungsschwangerem Zyklopenblick vor Kaltem Krieg und kosmonautischem Spionagetum.

Und bei allem Verständnis für unterschiedliche Gangarten boulevardesker Weltrettungsversuche, darf hier schon die Frage in den Raum gestellt werden, ob die beiden Damen in diesem Fall nicht vielleicht selbst Opfer einer kleinen, aber feinen redaktionellen wie maskentechnischen Verschwörungsaktion geworden sind. Denn anders ist dieses inhaltliche wie optische Frankenstein-TV wohl kaum erklärbar und vor allem für einen öffentlich-rechtlichen Sender mehr als von allen guten Geistern verlassen.

Digestif

Wenn auf eine Begrüßungsfloskel und die Anwort “Na ja, nicht so prächtig, weil seit Tagen schwere Übelkeit” ein “Sehr schön. Sehr gut” folgt, dann handelt das mitfühlenden Gegenüber entweder mit Kotztüten, oder aber castet für die Doku-Soap “Kotz dich frei”.

Warum eigentlich nicht, denn nach selbstentblößenden Quotenschlagern wie “Hilfe, wir bringen unsere Kinder um“, “Hilfe, unsere Kinder bringen uns um” und “Hilfe, mich will keiner umbringen” wäre doch ein Format der gänzlichen Selbstentäußerung nur schlüssig und entspräche auch durchaus dem wohlstandsgenährten Zeitgeist.

Zum Kotzen

Da versucht man den Körper aufgrund der subtropischen Außentemperaturen nahrungstechnisch Richtung Gefrierpunkt zu fahren und initiert damit statt der erhofften Abkühlung ungewollt einen gastrointestinalen Supergau samt Fieberschub.

Allein der Gedanke an Tomaten mit Mozarella lassen den Magen dauerrotieren und selbst Herr Pfefferminztee will zwar geschluckt, aber nicht gesäuert werden und nimmt daher auch schupps wieder den Weg nach oben. Somit wird aus dem Freizeitspass im Schwimmbad dann wohl eher ein unlustiges Sit-in am gar nicht mehr stillen Örtchen.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.