Totaler Körpereinsatz und Brüllen , dazwischen Gewehrsalven. Der zweite Weltkrieg ist nach Wien gekommen, auf die Bühne. Denn im MQ wurde im Zuge der Wiener Festwochen in Kooperation mit der Volksbühne Berlin “nord” gegeben. Eine Grandguignolade von Frank Castorf nach Lois-Ferdinand Celine, heißt es im Titelzusatz.
Und das ist es dann auch, ein Kasperltheater, ein sehr böses. Auf der Bühne toben die Körper, der Krieg und die Sprachgewalt. Da gehen im Laufe des Gefechtes dann schon der eine oder andere Wortfetzen verloren und einem Schauspieler hat es überhaupt gleich die Stimme verschlagen. Doch weiß er sich in seiner Stummheit körperlich aufs Trefflichste in Pose zu werfen. Wie überhaupt das gesamte Ensemble samt ausrangiertem Eisenbahnwaggon und wundervoller Riesenballon-Illumination.
Die Groteske und der Schrecken des Krieges, die propaganistische Verwirrung des Geistes und die entsetzliche Angst vor dem nahenden Fremden, das Leid, die Zerstörung - 180 Minuten Endzeitstimmung in schauderhaft realistischer Volksbühnen Manier. Ein Theatereignis, dass nicht nur aufgrund des Bombenlärms aufschrecken lässt.
Wenn der rollende Untersatz plötzlich streikt, ist man im ersten Moment einmal ratlos. Dann versucht sich die Möchte-gern-KFZ-Mechanikerin in Trivialdiagnosen und den sturen Motoresel doch irgendwie vom Fleck zu bewegen. Fehlanzeige! Außer einem kleinen Bocksprung und viel schwarzem Rauch aus dem Auspuffrohr tut sich genau nichts.
Und weil man in 30 Minuten am Arbeitsplatz erwartet wird, mit öffentlichen Verkehrmitteln aber eigentlich 45 Minuten benötigt, wird die Sache schön langsam zum nerventechnischen Höchleistungssport, denn Taxi ist keines erreichbar. Doch wie ein Wunder halten sich U-Bahn und Bus an gerade diesem Tag an keinerlei Intervalle und so sitzt man geschlagenen 25 Minuten später auch schon im Büro und lässt sich von motorenerfahrenen Arbeitskollegen erklären, wie denn ein Auto so funktioniert und was die Reparatur jetzt wohl so kosten wird.
Erinnert alles irgendwie ans Fischen, denn je länger gefachsimpelt wird, umso größer werden die Reparaturkosten. Vielleicht sollte man sich am Besten überhaupt gleich ein neues Auto zulegen, schluck.
Schließlich ruft man den Pannendienst, der dank Mobilitätsgarantie durch den Hersteller kostenfrei ist, und eine halbe Stunde später ist der Wagen dann nach einer kleinen Huckepackfahrt durch die Stadt auch schon in der Werkstatt. Alles sehr professionell, zügig und vor allem höchst kundenfreundlich. Und weil es am Ende nur ein poröses Kabel war, dass die ganze Aufregung herbeigeführt hat, sogar recht kostengünstig. Da kommt Freude auf und weiter geht die Fahrt, brumm, brumm.
Schnee ist das Blut der Geister. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass David Lynch in seinem neuen Meisterwerk Teile der Handlung in das tiefverschneite Lodz verlegt hat. Was die Sache verständnistechnisch allerdings nicht wirklich vereinfacht, denn was ist hier Realität und was Fiktion. Gibt es eine Grenze zwischen Tagtraum und dem Hier und Jetzt, oder aber verschwimmt alles zu einem Ganzen, das nach seinem eigenen Prinzip funktioniert und läuft und läuft und läuft und sich irgendwann in einer Endlosschleife gefangen findet, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.
Während guter drei Stunden manisch-psychotischer Reizüberflutung verliert man sich selbst immer wieder in einem Chaos aus (Alb)traumbildern und Hollywoodschick, glaubt sich zwischenzeitlich auf sicherem Boden, um dann wieder völlig haltlos im Handlungsstrang verloren zu gehen. Visuell ein Augenschmaus, werden auch die Ohren nicht enttäuscht von einer düster und bisweilen sogar höchst poppigen Hintergrundbeschallung. Und der Geist, der bekommt Futter für die nächsten Monate. Phantastisch!
Dem Dreikäsehoch ist ganz blümerant zumute, seit ihm nicht nur das Kleinod, sondern auch er selbst und sein bedauernswerter Gefühlszustand abhanden zu kommen scheinen. Und das ist jetzt nicht einfach so dahingeschrieben, sondern das Ergebnis eines kleinen, feinen Wettbewerbs unter der Leitung einer höchst sprachgewandten Jury, welche sich aufgemacht hat, das bedrohte Wort 2007 zu suchen und dabei gleich mehrfach fündig wurde.
So liegt das Kleinod also in den letzten Zügen und bringt die Stimmbänder nur noch ganz selten und verschähmt zum Klingen, das Schicksal teilend mit dem wundervollen Augenstern, dem Holden, dem Labsal für die Seele, einst gebauchpinselt, jetzt verschmäht wie das nicht nur sprechender- sondern auch zusehermäßig aussterbende Lichtspielhaus und weggeworfen wie ein alter Schlüpfer.
Auch fernmündlich läuft schon lange nichts mehr, in einer Welt, in der Menschen statt Ohren Handys wachsen und man skypt, smst, voipt und gelegentlich wegen eines Systemabsturzes resertiert und irgendwann dann resigniert vor soviel Bites und Bytes im Sprachgebrauch. Wie wär es da zur Abwechslung mit einem kurzen Reset der deutschen Sprache?
Die liebe Familie empfängt uns wieder und das ist nach 13 Jahre Sendepause wunderbar, um gleich einmal den mörbischintendanten Gaststar der letzten Folge beim Wort zu nehmen. Und in der Wunderwelt herrscht buntes Treiben. Da nascht die Frau Sektionschef an tretrahydrocannabinolisierten Teekekserln und versohlt in Verkleidung einer manisch Arien kollorierenden Anna Netrebkow das Popscherl des Ehegatten, um schlussendlich flaschenweise mit caninem Entwurmungsmitteln abgefüllt zu werden, während die gute Fee des Hauses wie gewohnt ihren Mann steht und die Zuseher souverän durch den ganz normalen Wahnsinn eines Wiener Beamtenhaushaltes navigiert. Frau Sokol ist halt doch die Beste und die Kleiderschürze nach wie vor todschick!
Dagegen sieht das nachfolgend im Wohnzimmer von Willkommen Österreich Position beziehende Ehepaar Grisse- und Stermann alt und vor allem auch zum Fürchten aus. Nur, dass die Furcht statt Adrenalinstoß eher einen akuten Schlafanfall provoziert. So versteckt sich das Grauen dann vornehmlich hinter zum Erschrecken langweiligen Moderationen und fürchterlich unlustigen Beiträgen und es beschleicht einen die Angst, dass sich hier die Genialität unnötig in Mittelmäßigkeit versteigt.
Meine Herren, vielleicht die intellektuelle Schwärze mit einem feschen Trachtenjanker tauschen und dann in der bauernbeblumten Fernsehstube einen auf singend moderierenden ehemals Sportler machen. Wenn schon stillos, dann richtig, bitte sehr!
Suppenwürze