Monthly Archive for August, 2007

Schnappschuss

Das eifrige Studieren des Machwerks der Herren Friebe & Lobo trägt ein erstes zartes Früchtchen, welches in Form des online-Cityguides Schmap daherkommt, in welchem doch glatt ein comatöses Bildwerk veröffentlicht wurde.

Wie gut, dass man im Café Sperl nicht einfach nur im Kaffeesud gelesen, sondern auch hin und wieder auf den Auslöser gedrückt hat. Und wenn man sich zukünfig doch irgendwann einmal am Riemen reisst und die Chaos-Zufallsebene verlässst, wird vielleicht doch noch was aus dem Dagoberta Duck´schen Talerbad. Das Schwimmkostüm liegt auf alle Fälle schon parat.

Lust

Inkonsequenz führt nicht nur zu höchst vortrefflichem Fleischgenuss und lässt zeitweilig den nikotinergen Synapsenchor samt Verwandtschaft jubilieren, nein, auch das Lesevergnügen wird noch köstlicher, wenn man sich Mittwoch abends entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen dem moderationstechnischen Horrorkabinett eines Extrazimmers aussetzt und ganz unerwartet auf eine wahre literarische Perle trifft.

Berlin, what else und nach wie vor spritzig und frech. Diesmal in Person des Fräuleins von Schirach mit streng-frisiertem französischem Zopf ganz themenkonform. Denn wenn es um die Irrungen und Wirrungen geht, hat sich seit Herrn Fontane nicht wirklich viel geändert und das liest sich auch heute noch ganz vortrefflich. Speziell in Form des gepflegten Narzissmus der großstädtischen Intelligentia. Da geraten selbst Eisprinzessinnen ins Schmelzen.

Fleisch

Wenn der hauseigene Lebensmittelladen mehr Freak Show denn Nahversorger ist, bekommt ein nachmittäglicher Einkauf schnell was von einem Besuch bei Jim Rose´s Side Circus. Da ist zwar die eine oder andere Nummer durchaus gewöhnungsbedürftig, doch alles in allem recht unterhaltsam. Nur hat eben auch der größte Spaßfaktor seine Halbwertszeit und ist somit nicht davor gefeit, in öde Langeweile abzutrieften, wären da nicht die Überraschungsgäste.

Und so war nicht nur die unterarmgebrandete Wursttheken-Damen völlig von der Schinkenrolle als sich ein gesichtstätowiertes Zuckerschneckerl ein Leberkässemmerl bestellte und den übrigen Einkauf höchst anmutig am KISS-begürtelten Hüftknochen balancierte.

Der überdimensionale Patik-Patchworkrock an der Fleisch-Schneidemaschine war dermaßen entzückt von der körperbetonten Showeinlage, dass nicht nur die selbstgebrannte Herzerlornamentik unterm zurückgeschobenen Ärmel des Arbeitskitteles leuchtend rot hervorblitzte, sondern es auch gleich eine Extraportion quadratischer Brühwurst gratis für den Slimane-Buben gab. Einfach lecker, sagt der Hausverstand!

Leuchtfarbe

Zum einjährigen-Auto-Mensch-Beziehungsjubiläum gab es für die kleine Lupolina gestern erst einmal einen fetten Knutschfleck von der Golf Stoßstange. Eine Attacke aus dem Hinterhalt, die dann wohl im wahrsten Sinne des Wortes über das Ziel hinausgeschossen war und das feierliche Innenstadt-Gassi-Fahren zu einem abrupten Ende und in die nächste KFZ-Werkstatt führte.

Was einen Fahrer dazu veranlasst, mit Vollgas und ohne in den Rückspiegel zu schauen in eine Ampelrot-Warteschlange zu schrammen, ist verstandesmäßig nicht nachvollziehbar, und man fragt sich, ob es vielleicht irgend so ein Zeitgeist-Ding ist, hinterm Volant Blinde-Kuh zu spielen. Schließlich wurde man bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres zur betroffenen Statistin eines diesbezüglichen Schauspiels und überlegt, ob nicht spätestens jetzt eine kleine Weltverschwörungsparanoia angesagt wäre, oder die Erklärung für das Phänomen möglicherweise doch im einladenden Pollengelb der lupo´schen Außenhaut zu finden ist. Schließlich schaltete bereits der für seinen Müßiggang bekannte Comicbienerich Willi beim Anblick knallig-gelber Blütenstände den Turboboost ein. Blumen & Bienen, verkehrstechnisch immer schon mit einem gewissen Gefahrenpotential behaftet.

Punkrock

Duschsingen ist eine feine Sache und das Repertoire seit Jahrzehnten dasselbe. Denn Biene Maya & Co. wurden noch vor gehirnzellenfeindlichen Legal- und Illegalexzessen in die Festplatte gebrannt und tragen daher das Prädikat absoluter Löschresistenz.

So trällert man höchst frohgemut die alten Zeichentrickhadern in der heimischen Nasszelle und macht bei “Wicki & die starken Männer” einen auf Punk-Röhre. Da kann selbst eine netrebkolose Festspielpremiere nicht mithalten, doch steht man zumindest quotentechnisch auf derselben Bühne. Denn Herr Onegin verhallte ungehört beim marionettenverliebten Fernsehpublikum. Da fällt selbst Wicki die Lösung schwer. Schändlich, diese Kunstbanauserie!