Monthly Archive for Mai, 2008

Höhlisch gut

“Get ready to shoot yourself” mit diesem Aufruf zum kollektiven Suizid begrüßte ein lichttechnisch in diabolisches Rot eingehüllter Nick Cave seine Glaubensgemeinschaft im Wiener Gasometer. Unterstützt durch einen geigenden Waldschrat und eine furios aufspielende Band bot der mittlerweile 51jährige Sangesbruder aus dem fernen Australien eine mehr als bewundernswerte Performance - selbst schwächelte man gegen Ende der Aufführung und hatte statt Bühnen- freie Sicht auf sich im Takt wiegende Erbsenpöpös, oder solche, die es einmal waren, oder wieder werden wollen. Der Zahn der Zeit ist einfach gnadenlos.

So ging auch Herrn Cave bei mit jugendlichem Zorn zu singenden Liedern wie dem wonderfully mercy seat ein wenig die Luft aus - es fehlte einfach der Vocal Backup eines Herrn Bargeld, dessen Bandausstieg auch Jahre danach noch aufs Tiefste zu betrauern ist. Dafür gab es aber den ship song in einer gar liebreizenden Version und auch der all-time-favorite let love in fand seinen Platz in der Setlist.

Dem armen Lazarus wurde einmal mehr der Vorschlag der Selbstbestattung unterbreitet, offensichtlich sind Auferstehungen aber permanent wiederkehrende Ereignisse und so darf man auch durchaus davon ausgehen, dass Reverend Nick nicht so schnell von der Bühne verschwinden wird.

Wenn sich der Welt-und Liebesschmerz im Alter in so motivierte Lebensfreude verwandeln lässt, darf man getrost der eigenen Verwelkung ins Auge blicken und schlummert trotz tinnitusierten Ohren friedlich dem kommenden Morgen entgegen.

Inselleben

Sommer, Sonne, Sonnenschein und schon fand man sich in weinseeliger Laune auf der Insel wieder. Dass es sich bei dieser um die DONAUinsel handelte, machte das eigene Erstaunen groß und dieses wurde umso größer als der kleine Ausflug nach Transdanubien mit einem Ausflug zum Eröffnungsspektakel der EM08-zu-verdankenden-U2-Verlängerung gekrönt wurde. Schließlich war ganz ursprünglich der Herr Barney in der Kunsthalle geplant, doch nach Anrufen von auf der Suche nach talkshow-kompatiblen Fernsehmenschen seienden Freundinnen muss das Kulturprogramm einfach dem Anlass entsprechend adaptiert werden und dieser war dann doch sehr boulevardlastig. Wobei der Boulevard vielleicht ja auch das wahre Terrain gehypter Aktionskünstler ist, zur Beurteilung dessen, müsste man es nur endlich zu Drawing Restraints schaffen.

Vorerst gab man - wenn auch höchst unerwartet - aufgeblasenen Testosteronungeheuern mit abziehbilderübersäten Unterarmen den Vorzug und kann davon ausgehen, dass es bei diesen Herren noch mehr zu staunen gibt. Fürs kaffeetratschige Nachmittagsfernsehen langen die gegebenen Ein- und Aussichten allemal und man war sehr zufrieden mit der Ausbeute. Die Herren selbst allerdings leider nicht, die würden wenn, dann schon eher das nachbarstaatlichen Privat-TV präferieren und sich selbst gerne ein wenig mit weiblichen Silikon-Luftballons dekoriert sehen. Gut, dann halt keine große ORF2 Karriere und weiter den Ordnungsjungen spielen. Die Fernsehfreundin wurde schließlich doch noch fündig und man selbst freute sich, dass die vom katzenjammernden Starmaniacs Auftritt strapazierten Ohren und sozialvoyeuristisch überforderten Augen ganz schnell wieder in die U-Bahn gepackt und in heimatliche Gefilde transportiert werden konnten. Ohrentechnisch 1A, was die soziale Ästhetik anbelangt nach wie vor fragwürdig. Vielleicht doch wieder auf die Insel - nur diesmal ein wenig weiter südlich und idealer Weise unbewohnt.

angewandte Chemie

Schöner Mann, schöne Musik und seit jeher ein gewisser Hang zur Biochemie, der Herr Rossdale. War es in den 90igern noch das Glycerine, kamen dann irgendwann die Chemicals between us und schlussendlich die sangestechnische Huldigung des Adrenalin. Letztere überraschte die Ohren dann so unvermutet, dass man vergaß, aus dem Auto auszusteigen. Eigentlich war es ja Herrn Larkins Schuld, spielte er die Nummer doch wirklich bis zum letzten hörbaren Etwas und genau da klopfte auch schon der Bürokollege ans Fenster. In der anschließenden Morgenkonversation ging dann unter, ob es sich beim eben gehörten Sangeskünstler tatsächlich um den längst in familiengründerischer Versenkung gewähnten Ex-Bush-Frontmann gehandelt hat.

So fragt man das pipifeine FM4-Trackservice, und ja, es war Gavin Rossdale, der da frühmorgens via Äther über das Nebennierenrindenhormon herzschmerzte. Und ja, er ist immer noch gerne oben ohne nackig auf der Bühne, wie ein schneller Blick Richtung youtube beweist, und ja, er ist immer noch zuckersüß anzusehen und ja, man kommt da auch weit jenseits grungiger Möchte-gern-Groupie-Tage ins Schwärmen, ob des gesixpackten Hühnerbrüsterls. Und nein, es hätte dieser Erkenntnis jetzt nicht bedurft, den Nobelpreis holen sich andere, den Herrn Rossdale sowieso.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.