Monthly Archive for Juni, 2008

Hysteria Ballistica Vol. I

Wenn die Fußball-EM bisher überhaupt was zu bieten hatte, dann vor allem die ersten gewonnen Euro. Ja, man hat sich mitreißen lassen und mit den Herrn Kollegas um das Spiel Schweiz-Tschechien gewettet und gleich einmal aufs richtige Pferd gesetzt - sorry, auf den richtigen BALL natürlich.
Die Tschechen brachten das prognostizierte 1:0 nach Hause, man selbst trotz EM-Unwohlseins ein Lächeln aufs Gesicht. Fußball ist gewöhnungsbedürftig, 22 Männern beim Ball-Hinterherlaufen zusehen per se nicht unbedingt spannend und die Sidecomments zumeist völlig überflüssig, Hicke, Hicke!

In diesem Zusammenhang erwähnenswert, die fast tägliche pressekonferenzielle Performance des Ivo-Styles (11.45 Uhr/ ORF1) - aus etymologischer Sicht eindeutig ein Vorläufer des krachig-trendigen “Bam-Oida”, nur inhaltlich noch mehr gegen Null - fast unglaublich, aber das geht. Mit stoischer Ruhe und Nichtsprache monologisiert Ivica Vastic über … ja, worüber eigentlich?! Man mutmaßt über Flatterball, Flugkurve und TTTTTTTTTTTTTTTTTTTOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRR und wenn man nicht spätestens da narrisch wird, weiß man jetzt auch nicht.

 

Drawing Restraints

matthew barney

Matthew Barney hat das Malen nach Zahlen nicht nur durch selbst in den Weg gelegte Hindernisse perfektioniert, er weiß dies auch höchst gewinnbringend umzusetzen. Und so kritzelt und kraxelt er durch diverse Videolandschaften, stellt sich im Glaskubus dauerhüpfmalend zur Schau und die Zuseherin vor die Frage „was will mir das sagen“ – Verstörung. Kunst allemal, aber ist da nicht vielleicht doch sogar etwas mehr, zwischen all der Vaseline, Zement und einer meterlangen blass schimmernden, sich am Boden aus einem weißlichen Kunststoffungetüm windenden Nabelschnur, die uns den Weg leitet, in trauter Einsamkeit – dank hochsommerlicher Außentemperaturen – entlang am Werk des Football affinen Künstlers.

Hier wird Mieder-geschnürt, dass sogar Königin Sisi der Atem stocken dürfte, endartTeufelshufe zwischen Autositzbänke gezwängt, welchen, den Hufen nämlich, man schließlich einen Stock höher bei Klaus Nomi wieder begegnet. Das ist dann aber auch schon Punk und damit eine andere Geschichte. Oder vielleicht doch nicht, denn neben der Klaue des Gottseibeiuns trifft man dort nicht nur auf die eigene Plattensammlung im Stiegenaufgang, sondern auch auf Tampax Romana und dies erinnert jetzt nicht bloß an den Unterstufenwitz zum Teebeutel des Vampirs, sondern vor allem an die zur Schau-Stellung des Körpers, seiner Öffnungen und Unzulänglichkeiten im Untergeschoß beim Master des Cremasters. Barney als Punk 2.0 sozusagen und sein Circle als ewige Wiederkehr des alten Geschlechtsteilesteckspiels.