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Highlige Nacht

In der ZIB 1 wurde dem gestrigen Abend hartnäckig eine Heiligkeit vorangestellt, welche die Moderatorin durch artige und mit leichter Betroffenheit behafteter Festtagsmiene zu unterstreichen wusste. Selbst in den Wetteraussichten war nicht von Nachttemperaturen, sondern den Temperaturen der eben HEILIGEN Nacht die Rede. Man wunderte sich, allerdings nur bis zur Christmette im Stephansdom, denn dort erschloß sich einem das Wunder der heiligen Dreifaltigkeit der hierzulande praktizierten Verquickung aus Religion, Medien und Politik, gegen welche die göttliche Trinitas ein Konglomerat loser Zufallsbekanntschaften darstellt. Allein für diese Erkenntnis hat sich der mittnächtliche Ausflug schon mehr als gelohnt.

Denn Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (EX-ORF), Bundesministerin Gehrer (ORF-Redakteursmutter und zudem seit Jahren nicht mehr in der Bundesregierung, was im kirchlichen Umfeld aber offensichtlich obsolet für Titulierungen ist – einmal Papst, immer Papst!), Landesdirektorin Brigitte Wolf (ORF Wien) und wortwörtlich alle ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter wurden von Dompfarrer Faber in seinen Eingangsworten an prominenter, weil erster Stelle, begrüßt. Da darf einen auch der heilige Abend im ORF nicht weiter wundern.

Selbst kam man im mehr als gut besuchten Wiener Wahrzeichen neben einem Umberto Eco´s Roman “Der Name der Rose” entsprungenen Salvatore-Lookalike zu sitzen, die Gefolgschaft des Herrn Dompfarrers hätte für das Casting ebendieses Films auch beste Chancen gehabt, da war vom Pin-Up-Boy, über den leicht eunuchigen Kahlgeschorenen und den Buckligen die ganze Palette potentiell telegener Kirchenmänner vertreten.

Und dann ging es los, das große Orgien-Mysterientheater der HEILIGEN römisch-katholischen Kirche. Schwaden von Weihrauch, Männer in goldbestickten Umhängen, einer mit rotem Zackenguglhupf am Köpfchen, gesungene Geschichten von Schwängerern und Geschwängerten, die vorgeben Zeugungen, an denen sie selbst beteiligt gewesen sein mussten, einfach verschlafen zu haben. Womit anzunehmen wäre, dass der Heilige Geist der Somnophilie zugeneigt war oder sich aber  Josef & Maria den Hausfreund teilten und die Geschichte gut zu verkaufen wussten. Auch Halluzinogene sind ob der wunderlichen Geschichten nicht ganz auszuschließen, vielleicht eine Schwefelquelle neben dem Häuschen. Man mutmaßt sich durch die Liturgie und kommt aus dem Wundern gar nicht mehr raus. Zwischendurch spricht ein US-Priester mit Marilyn Manson Stimme und warnt vor dem Bösen, das gerade in der heiligen Zeit überall lauert, das hatte durch die an den selbsternannten Antichristen erinnernde Intonierung eine gewissen Komik.

Dann wurde auch noch der Schauspieler Götz Kaufmann – auch eher dem komischen Fach zuzuordnen und zumindest karrieremäßig bereits des Öfteren totgeschrieben – zur Hauptfigur der dompfarrerlichen Weihnachtsansprache. Kehrte Kaufmann, der ganz offensichtlich kurz vor seiner letzten Reise steht, doch erst vorgestern als geläutertes Schaf zur römisch-katholischen Herde zurück.

Und dann ging dieses Tralala los von wegen kleiner, sündiger Mensch und großer Gott, und die Auferstehung von den Toten und das ewige Leben und die rettende Stunde und der Säugling, der sich für ein auserwähltes (sic! das hatten wir doch schon mal ganz gruselig vor nicht allzu langer Zeit) Volk opfert. Himmel, Herrgott, im wahrsten Sinne des Wortes, das darf doch alles nicht wahr sein. Wo bleibt der gesunde Menschenverstand, oder sind jetzt alle völlig gaga – HIGHlige Nacht eben!

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Plattfuss Inc.

Gerade wieder auf Reisen, muss man feststellen, dass der Zahn der Zeit nagt - und zwar neuerdings an der Sehkraft. Trotten die Beinchens immer noch brav vor sich hin, bringen einen Kommunikationsmissverständnisse zwischen Sehorgan und Hirnwindung immer öfter in höchste Sturzgefahr. Und das auch in Situationen, in welchem man nicht gerade mit Fahrrad bewaffnet auf Potsdamer Rolltreppen unterwegs ist und vom bockigen Drahtesel um ein Haar stranguliert wird. Glücklicherweise konnte man sich von diesem Schrecken bei einem kräftigenden Topf Bortsch in der russischen Kolonie erholen, das visuelle Kommunikationsproblem blieb davon aber unberührt. Und man hat, seit der Stadtplan kürzlich nur lesbar war, nachdem man den Unterarm Inspector-Gadget-mäßig ausgefahren hatte, einen Verdacht, der gruseln lässt - Weitsichtigkeit: ALTERSBEDINGT!

So passt man gut zur aktuellen Umgebung, denn auch im Chelsea Hotel ist der Lack ab, aber man altert mit Würde!

HASTA LA VICTORIA …

Glutäugige Revolucionistos beim Guerillakampf auf der Großleinwand zu verfolgen ist per se bereits durchaus ein Augenschmaus. Wenn dann auch noch Herr del Toro in der Rolle seines Lebens den mutmaßlich Leckersten aus der Zunft ideologischer Posterboys mimt, wird die Sache furios und der Kinoabend ein mehr als gelungener.

CHE - das ist eine Geschichte! Und Herr Guevara der Robin Hood aus dem bolivianischen Dschungel. Da legt sich ob der heldenhaften Romantik dann ganz gern und schnell der Schleier der Verklärung über die Facts & Figures des durchaus auch hinterfragenswerten Wirkens des guten Mannes.

Schwachstellen

Stadttouren können anstrengend sein. Nächtliche mit schwerbedienbarem Riesenrad und im Zustand bereits völliger körperlicher Erschöpfung umso mehr - vor allem, wenn diese aufgrund der allgemeinen Schwäche von glucksenden Lachkrämpfen begleitet sind. Da kann es ganz schnell passieren, dass einen die rote Ampel das Gleichgewicht verlieren lässt, sich der Fahrradnachbar zuerst noch die Schuld an dieser Schräglage gibt, um schlussendlich und vor allem völlig ungerechtfertigt die Stürzende der Trunksucht zu bezichtigen. Möglicherweise war´s ja die Rhabarberschorle - könnte vergoren gewesen sein.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.