Archiv für die Kategorie 'Bücherkiste'

Weltenbummler

Nach einem Besuch der Asian Village und weltumspannendem Herzschmerz in Universalove verbrachte man das Wochenende vornehmlich auf der Beagle, ging man doch zumindest lesetechnisch mit Herrn Darwin auf Forschungsreise. 38°C am Sonnendeck und solare Dauerbestrahlung passten hervorragend zu den Abenteuern zwischen den Wendekreise. Und so tauchte man ein in die Welt der Finken, Echsen und Panzertiere und wenn man mit der Sonnenanbetung so weitermacht, bruzelt man sich langsam aber sicher selbst zur Schildkröte. In Anbetracht der beachtlichen 176 Lenzer einer Harriet durchaus keine schlechte Aussicht.

Schlingensief goes TV

Schlingensief im Fernsehen - damit hätte man jetzt auch nicht unbedingt gerechnet. Wobei, es traf sich gar nicht schlecht, hatte man sich am Wochenende doch sein neuestes Schriftstück zu Gemüte geführt. Schwere Kost, aber Krebs ist halt auch kein Kinderspiel. Und weil hier Vorbeugung quasi die Mutter der Anti-Böszellen-Entwicklung ist, hat man sich sicherheitshalber gleich mal zur Vorsorgeuntersuchung angemeldet, stellt sich fairerweise aber schon die Frage, ob da nicht vielleicht doch etwas zuviel an Hyperchondrie mit im Spiel ist. Dafür ist man sehr stolz auf den mittlerweile fast souveränen Umgang mit den gerissenen Bänderchens des linken Fußes. Seit vorgestern lässt sich wieder sowas wie ein Knöchel erkennen und man war sogar schon ein klein wenig mit dem Rad unterwegs.

Bei ebendieser Radtour wurde dann auch ein Tel-Aviv-Strand an den Gestaden des Donaukanals entdeckt. Nicht zwingend das lauschigste Plätzchen - es fehlt das Meer. Das hätte man mit dem Neusiedlersee zwar quasi vor der Nase, nur hat der “Kupplungs”fuß da noch was dagegegen - Autofahren geht also vorerst noch immer nicht - der See muss warten. Statt dessen wurde ausgiebig dem Cocooning gefrönt. Ist ja auch Jahrzehnte nach dem Popcorn-Report mehr als en vogue und wenn man sich dann auch noch unachtsam in Richtung Borat-Welt zappt höchst unterhaltsam.

Studienreise Etappe 4

Etappe 4 Westbank - Jerusalem
Sunburnt and culture-striken

Holocaust-Gedenktag samt Abstecher in die Westbank mit weiblichem Ozzy Osbourne Double aus dem Kibbutz, kilometerlange Nachtmärsche an der
Uferpromenade und die tägliche Vortragsflut führen bereits zu leichten
Ausfallserscheinungen, die sich vor allem in teeniehaften Lachkrämpfen äußern,
wenn Schweigen angesagt wäre. Man vermutet neben der allgemeinen Cerebral-und-überhaupt-Schwäche den übermäßigen, hummusbedingten Kichererbsenkonsum als Hauptursache dieser vortragstechnisch höchst unsensiblen Nebenwirkung. Da man aktuell auch eine UV-generierte Eigenhaut-Herdplatte am Dekolletée und dem Rücken mit sich herumschleppt, liegt auch die Diagnose “Sonnenstich” durchaus nahe.

Diese physischen wie psychischen Schwächeleien tun dem Speed, mit dem man sich hier durch Land und Leute bewegt, jedoch keinerlei Abbruch und so gab es heute zwischen Grabeskirche und Österreichischem Hospiz neuen Pilgergeschwindigkeitsrekord. “Via Dolorosa” mit Ausrufezeichen und wehendem Volantrock, da kriegen es selbst die hartgesottensten Marktschreier mit der Angst zu tun. Aber schließlich ist das Programm straff und die noch zu generierende Wissensmenge gehörig. Da gilt es auch im Devotionalien-Wunderland keine Zeit zu verlieren. Fest steht, dass man sich langsam aber sicher in der israelisch-palästinensischen Parteienlandschaft besser auskennt als in der heimischen Tagespolitik und doch scheint man noch immer nicht zu wissen, dass man sich einzuschmieren hat, wenn man mittags bei Bruthitze am Strand die zukünftige Frisbee-Olympiasiegerin gibt.

Just do it

Passend zur schon seit längerem schwelenden Bildungsdebatte und NICHT als Rechtfertigung für Lehrende zu verstehe, hier ein Auszug aus Hermann Hesse´s Glasperlenspiel:

Das Schreiben des Magister Ludi an die Erziehungsbehörde

… Im Vergleich mit andern Zeitaltern, namentlich der feuilletonistischen Frühzeit mit ihren üppig dotierten Hochschulen, ihren zahllosen Geheimräten und luxuriösen Instituten sind diese Opfer in der tat nicht groß, und verschwindend klein sind sie verglichen mit denen, welche im kriegerischen Jahrhundert der Krieg und die Rüstung verschlang. Aber eben diese Rüstung wird vielleicht in Bälde wieder oberstes Gebot sein, im Parlament werden die Generäle wieder dominieren, und wenn das Volk vor die Wahl gestellt wird, Kastalien zu opfern oder sich der Gefahr von Krieg und Untergang auszusetzen, so wissen wir, wie es stimmen wird. Es wird alsdann auch ohne Zweifel sofort eine kriegerische Ideologie in Schwung kommen und namentlich die Jugend ergreifen, eine Schlagwort-Weltanschauung, nach welcher Gelehrte und Gelehrtentum, Latein und Mathematik, Bildung und Geistespflege nur soweit als lebensberechtigt gelten, als sie kriegerischen Zwecken zu dienen vermögen.

Die Woge ist schon unterwegs, einmal wird sie uns wegspülen. Vielleicht wird das gut und notwendig sein. Vorerst aber steht uns, sehr zu verehrende Kollegen, nach dem Maß unseres Erwachtseins und unsrer Tapferkeit jene beschränkte Freiheit des Entsschließens und Handelns zu, welche dem Menschen gegönnt ist und welche die Weltgeschichte zur Menschengeschichte macht.

Denn nicht zuletzt in Zeiten von “Daham statt Islam” gilt es im Bildungsbereich zu Handeln anstatt trotzig die Arbeit niederzulegen und pathetisch den Anfängen zu währen - wie dies im gestrigen Report sprachlich zum Teil übrigens höchst fragwürdig getan wurde. Die eine oder andere Äußerung des Gewerkschaftspersonals hätte in Punkto Grammatik eine glatte Fünf verdient. Und über den Inhalt lässt sich streiten.

Fahrplan

Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen.
Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit.

André Kostolany




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.