Archiv für die Kategorie 'Blickwinkel'

Skoptic Syndrome

Herr Mason stellt im open space der Kunsthallte aus und dafür werden ihm jetzt gleich ein paar Punkte seines Traummannstatus´abgezogen, denn malen, so befindet man als Langzeitdevotee Herrn Brian Warner´s, kann er nicht. Aber einmal mehr zeigt er Hang zu Romantischem, pinselt in pastelligem Aquarell - hier und dort ein Herzerl auf malträtierte Körper - herzig, vielleicht am ehesten. Dafür überzeugt David Lynch mit frühen Filmwerken wie The Grandmother einmal mehr und macht den Kunstausflug dann schlussendlich doch noch zu einem eben solchen Genuss.

Zwillingsstudien

In der kulturzeit gab´s zum Tod der trällernden St. Pöltnerin LOLITA ein (Abschieds)ständchen ebendieser zu Sendungsende … frappierende Ähnlichkeit mit Vera Russwurm in ihrer Zeit als Tritsch-Tratsch-Girl … hitverdächtig in der Kategorie “Bei der Geburt getrennte Zwillinge” …

LOLITA                  &    Vera Russwurm

Lolita Vera Russwurm

Wahltag

Das demokratische System führt sich ad absurdum, wenn das Volk seinem Wahlrecht nicht mehr nachkommt. Und so ist es mehr als bedenklich, wenn bei der Bundespräsidentenwahl nur knapp 50% aller Wahlberechtigten den Weg an die Urnen finden – Sommerwetter hin oder her. Das ist doch lächerlich - hierzulande scheint die Sonne öfter, als nur ein einem Tag! Alles andere als zum Lachen, ist allerdings die Tatsache, dass die aktuelle Regierungspolitik ebenso wie die Nichtpositionierung der bürgerlichen Seite für den Präsidentschaftskandidaten Fischer der politischen Gegenseite in die Hände gespielt und eine Kandidatin Rosenkranz überhaupt erst ermöglicht hat. Gleichzeitig darf angenommen werden, dass im Fehlen einer echten Alternative zum kandidierenden Amtsinhaber, ein maßgeblicher Grund für die Wahlverdrossenheit und die vielen Nichtwählerinnen und -wähler gesehen werden kann.

Doch es gab offensichtlich auch (politische) Umstände, die sich als der Wahlbeteiligung zuträglich erwiesen haben, wenn auch auf alarmierende Art und Weise. Denn im durch das geplante Erstaufnahmezentrum in die Medien gekommene Eberau gab es eine im Vergleich zum Bundesdurchschnitt hohe Wahlbeteiligung und mit fast einem Viertel der Stimmen ein ebenfalls über dem Bundestrend liegendes Ergebnis für die FPÖ-Kandidatin Rosenkranz.

Dies sollte den politischen Entscheidungsträgern in diesem Lande zu denken geben. Heute ist man mit einem blauen Auge davongekommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Protest hat sich voerst noch im Nichtwählen ausgerückt. In Ungarn gab es einen Rechtsruck, auf ORF 1 läuft der Untergang. Die Demokratie ist ein kostbares Gut – dies gilt es zu wahren!

Entrepreneurship – Unternehmen Zukunft

Blogparade Entrepreneurship

Entrepreneurship – ein im Deutschen wahrlich sperriger Begriff, hinter dem sich allerdings sowas wie die Formel für die Arbeitswelt 2.0 verbirgt – oder zumindest verbergen kann. Doch was ist das überhaupt, dieses Entrepreneurship und lässt es sich mit unserer DIN-normierten Benchmark(arbeits)welt überhaupt vereinbaren?

Entrepreneurship – das ist der dynamische kreative Prozess, der das Entstehen, Ausreifen und Verwirklichen einer Idee begleitet. Es ist eine Unternehmung – so wie das Leben. Beobachtet man Kleinkinder, wie sie in ihrem Trail-Error-Dasein und auf dem Weg zu Unabhängig- und Selbstständigkeit höchst motiviert und mit größter Ausdauer & Beharrlichkeit und einer gehörigen Portion an Ideenreichtum die Welt um sich zu erobern suchen, darf man annehmen, dass diese Eigenschaften auch in jedem Erwachsenen schlummern und uns alle damit per se zu geborenen UnternehmerInnen machen.

Die Frage ist nur, ob man sich dieser entrepreneur-prädestinierenden Eigenschaften im Erwachsenenalter überhaupt noch bewusst ist und an sich glaubt, nachdem einem spätestens in der Volksschule beigebracht wurde, dass nicht das Individuelle, sondern das dem Lehrplan-Entsprechende gefragt ist, das Köpfchen also nicht zum Träumen da sei, sondern für das Auswendiglernen von Zahlen- und Wortkolonnen – und das möglichst still – im oral- wie physiomotorischen Sinne: “Still sitzen und ruhig sein”. Ein Verhaltensmuster, das einem karriereförderlichen Vorwärtskommen auch in (abhängigen) Arbeitsverhältnissen = Angestelltendasein nicht gerade abträglich ist.

Und der Unternehmergeist? Der hat´s wahrlich nicht leicht, unter solchen Bedingungen, doch gilt es ihn dort, wo er aufkeimt, zu hegen und pflegen. Denn die Zukunft liegt nicht im konsumsaturierten Stillstand jener, die aufgegeben haben an sich und ihre Träume zu glauben, oder sich unkritisch einer Sicherheit-suggerierenden Traumwirklichkeit hingeben. Die Zukunft liegt dort, wo etwas unternommen wird, wo man an Träume und die eigenen Stärken glaubt und auch den Mut hat, diesen zu folgen und sie im Sinne einer prosperierenden Zukunft einzusetzen.

Doch ist man sich der Tatsache bewusst, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist, wenn doch bei der Veröffentlichung des massiven Budgetdefizit dieses Landes als erstes die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst Zeter und Mordio schreit, sollte die Ministerin auch nur auf die Idee kommen, eine Nulllohnrunde für verbeamtete Staatsdienende anzudenken, während das Nachdenken über massive Einsparungen in den Ressorts Familie & Arbeit zu weit weniger heftigen – wenn überhaupt - Reaktionen führt. k.&k.-Beamtenstaat at its best und wahrlich nicht der beste Nährboden für das Entrepreneurship der Zukunft. Selbst wenn das Arbeitsmarktservice mit entsprechenden Maßnahmen (sic!) zur Unternehmensgründung zumindest den Anschein erwecken lässt, dass man sich von politischer Seite der Wichtigkeit von Unternehmensgründungen bewusst ist. Wirft man allerdings einen genaueren Blick auf die entsprechenden Angebote, und die große Palette an Förderungen und Subventionen befällt einen irgendwie das seltsame Gefühl, dass vielleicht weniger die ökonomische Nachhaltigkeit als vielmehr eine kurzfristige Beschönigung der Arbeitslosenstatistiken im Vorgrund steht.

Doch dessen ungeachet, sollte für all jene – der Etablierung einer Kultur des Entrepreneurship Zugeneigten – der Mut im Vordergrund stehen, das Wagnis Entrepreneur einzugehen und sich zu sagen Yes, I can!

Fernsehen – verschwinden die Nachrichten?

Der Boulevard scheint es richtig zu machen. Ist er doch beim Montagsgespräch der Tageszeitung der Standard in aller Munde und läuft dem eigentlichen Thema nach der Frage des Verschwindens der Nachrichten den Rang ab. Lugner und Heinzl dürfen sich freuen. Ihre Nachricht ist die Inhaltslosigkeit, die von der Luftzirkulation lebt. Das scheint zu funktionieren und so wird viel heisse Luft darum auch in der streckenweise faktenarmen Diskussion zwischen Moderator Gerfried Sperl/ der Standard, Teddy Podgorski/ ehemaliger ORF-Gerneralindentant, Reinhard Christl/ Institutsleiter der FH-Wien, Markus Breitenecker/ Geschäftsführer Puls 4, Karl Amon/ ORF-TV-Chefredakteur und Christiane Spiel/ Institutsvorstand Universität Wien produziert.

Und man kommt einfach nicht auf den Punkt. Denn existiert die befürchtete Konkurrenz klassischer Nachrichtenformate mit dem Boulevard überhaupt und wenn ja, tatsächlich in für die Nachrichten bedrohlichem Ausmaß? Oder ist die Bedrohung eher künstlich agitiert aufgrund der aktuell zeitgleichen Programmierung der „Zeit im Bild“ auf ORF 2 und dem Unterhaltungsformat „Chili“ auf ORF 1. Bei diesem direkten Aufeinandertreffen geht der Sieg nach (Quoten)punkten übrigens eindeutig an die Nachrichtensendung. Und man stellt sich die Frage, wovor man sich hier eigentlich fürchten soll?

Die digitale Welt der New Media ist jung, hipp und konsuminteressiert. Misst sich der in die Jahre gekommene Qualitätsjournalismus an diesen Attributen, darf man sich über eine ausgeprägte Midlife-Crisis nicht wundern. Und die klassischen Medien dürften sich aufgrund der antizipierten Gefahr der Medienwelt 2.0 in einer ebensolchen Sinnkrise befinden. Das Selbstbewusstsein aufgrund sinkender Quoten ist im Keller, man glaubt, etwas haben zu müssen, was einem dieser virutelle Globus vorgaukelt und biedert sich in der Folge an dem sich mit diesen Bedingungen besser arrangierenden Boulevard an – es kommt zum Kräftemessen. Da wird dann versucht, alle Register der Verjüngung zu ziehen, auf Facelifts gesetzt und keiner fragt die Konsumentinnen und Konsumenten was ihnen denn am alternden Gesicht des Qualitätsjournalismus nicht gefällt und ob es überhaupt daran liegt, dass sie … ja, was macht das Publikum eigentlich?

Der Fernsehkonsum steigt in den Industrieländern stetig. Fernsehen ist nach wie vor das Nachrichtenmedium Nummer 1 ­– vor allem auch bei Kindern, Jugendlichen und Personen mit Migrationshintergrund. Das Internet holt auf, doch darf man bei aller Überdigitaliserung nicht vergessen, dass es weltweit ein doch noch recht kleiner Teil ist, der über die technischen Voraussetzungen zum Internetkonsum verfügt und auch hierzulande durchaus milieu- und vor allem auch geschlechterbezogene Unterschiede im Zugang zu Internet & Co. zu finden sind. Ganz abgesehen von der Frage, was denn eigentlich tatsächlich konsumiert wird, wenn man denn dann drin ist – im Netz.

Doch zurück zum Thema: Das Verschwinden der Nachrichten. Denn davon kann wohl kaum die Rede sein, zumindest wenn man den Herren Amon und Breitenecker zuhört, die sich matchen, wer denn nun mehr Nachrichtenformate in seinem Sender hat.

Und wieder sind wir dort, worum sich die Diskussion die ganze Zeit dreht. Um die Quantität. Wie lang, wie oft. Bubengespräche – und vielleicht ist es ja auch nicht ganz zufällig, dass hier nur Männer am Podium sitzen. Ausgenommen Frau Spiel, die nicht nur die einzige Frau in der Runde ist, sondern auch die Einzige, die zwar Bildungs- aber eben nicht Medienexpertin ist, im Gegensatz zu ihren Mitdiskutanten. In Anbetracht der Tatsache, dass das Fernsehen und die Medienwelt im Allgemeinen nach wie vor ein Männerbetrieb ist, ein nicht zu vernachlässigendes Detail.

Doch unabhängig von Formatanzahl und Sendungslängen haben Nachrichtensendungen an zwei Fronten zu kämpfen. Einerseits wird eine inhaltliche Ernsthaftigkeit erwartet, die zunehmend an Protagonistinnen und Protagonisten scheitert, die diese konterkarieren – Stichwort Kasperltheater Politikbühne. Zudem scheint sich unter Zuseherinnen und Zusehern eine Art Weltpessimismus breit zu machen, der die Auseinandersetzung mit dieser Welt nicht wirklich als erstrebenswertes Freizeitprogramm erscheinen lässt. Entweder aufgrund eines Ohnmachtsgefühls gegenüber globalen Entwicklungen oder aus purem Desinteresse, da der Konnex zur eigenen Lebenswelt und den damit in Verbindung stehenden Bedürfnissen nicht vorhanden zu sein scheint.

Nachrichten müssen die Menschen ansprechen und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Sie müssen ihre Sprache sprechen. Die Gesellschaft ist bunter geworden und vielschichtiger. Die Lebenswelten des Fernsehpublikums haben sich seit den 50iger Jahren massiv verändert. Die inhaltliche Aufbereitung der Nachrichten hat hier Nachholbedarf. Der Qualitätsjournalismus verwirkt viel Potential, wenn er seinem Publikum in diesem Punkt nicht entgegenkommt. Das muss sich sowohl vor als auch hinter der (Nachrichten)kamera widerspieln und auf die Berichterstattung abfärben. Wo bleiben Nachrichten mit Fokus auf die weibliche Zielgruppe, auf unterschiedliche Ethnien, Religionen, Lebensstile und sexuelle Orientierungen. Das Zauberwort ist Diversität. Wirtschaftsunternehmen haben das Potential, das sich für sie dahinter verbirgt längst erkannt, der Boulevard sowieso. Doch seine Vielfalt ist ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit. Da braucht es ein regulierendes Gegengewicht – den Qualitätsjournalismus. Der im Übrigen die digitale Revolution auch in diesem Zusammenhang weniger als Bedrohung der klassischen Medienwelt als vielmehr als Herausforderung betrachten kann. Denn ohne qualitativ hochwertige Aufbereitung der Fülle an Information, die im und durch das World Wide Web generiert wird, laufen wir alle Gefahr am Ende bloß eins zu sein: Overnewsed but uninformed!




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.