Archiv für die Kategorie 'Erweiterter Narzimus - oder einfach Liebe und so'

Romeo und Julia

Man hat die Kritiken zur Hartmann´schen Romeo und Julia Inszenierung geflissentlich überhört- und lesen und konnte so ganz vorbehaltslos dem Liebesdrama lauschen, als es im Burgtheater seinen Lauf nahm.

Und da es sich beim Theater spielen um die szenische Wiedergabe des geschriebenen Wortes handelt und dargebotenen Bilder per se nach einer ästhetischen Reaktion verlangen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass es vonseiten des Publikums heftige Äußerungen zum Bühnengeschehen gab. Denn während das geschriebene Wort vornehmlich unsere Vorstellungskraft fordert, treffen uns Bilderfluten in ihrer Unmittelbarkeit in unserem Empfinden und provozieren Emotionen. Wenn das Ganze dann auch noch mit einem entsprechenden Geräuschpegel einhergeht, darf es nicht weiter verwundern, wenn die Reaktionen dementsprechend heftig ausfallen. Und so gab es einerseits die erzürnten Vorstellungsverlasser und Buhrufer, andererseits aber auch eine Menge von gänzlicher Begeisterung beseelter Lauscher.

Selbst stellt man sich nach der in allen Punkten als großartig wahrgenommenen, Vorstellung die Frage, wie es kommt, dass Romeo und Julia seit Jahrhunderten als Innbegriff romantischen Liebeswerbens gehandelt werden. Ist es nicht viel mehr genau das Gegenteil, nämlich das Aufzeigen eines liebestechnischen Irrweges, den eine streng hierarchische und patriarchale Gesellschaft vorgegeben hat und aus dem es zumindest aus Sicht der Frau nur den Ausweg in Morpheus todbringende Arme oder die eines geifernden Alten gibt. Ist es nicht die totale Verneinung des Ich und die Auslöschung der eigenen Individualität und steht damit doch in krassem Gegensatz zu den Grundfesten der Romantik und zeigt vielmehr eine schnörkellose Realität, die es auch in heutiger Zeit, wenn auch in abgewandelter, aber gleichermaßen tödlichen Ausprägung gibt, wenn etwa Staaten zum hinterfragenswerten Wohl der Weltbevölkerung Kriege führen. Es ist doch ein Paradoxon im Tod einzelner das Heil vieler zu suchen, lebt eine Gesellschaft doch von den Lebendigen und nicht von den Toten.

Schräglage

In einer Gesellschaft der Prozac-Optimisten und Glückseligkeits-Fetischisten ist es eine wahre Wohltat, wenn sich zumindest auf Musikebene Neigungsgruppen finden, die sich dem L(i)ebensleid in vollsten Zügen hinzugeben wissen und damit nebelig, verschneite Novemberwochenenden zu einem wahren Hochfest der Tristesse deluxe werden lassen.

Herr Ostermayer und Kumpanen verzehren sich auf ihrem aktuellen Tonträger akustisch nicht nur geschmackvollst jenseitig nach Liebe, Leben, oder dem, was man zumindest gemeinhin darunter verstehen mag. Sie tun dies obendrein unter anderem mithilfe melodisch höchst anspruchsvoller Nachahmung eines frühen Nick Cave, der seit jeher für die Königsklasse der liebestechnischen Selbstentäußerung gestanden hat und erbringen einmal mehr den Beweis für Rilke´s Postulat der untrennbaren Verbindung von Liebe und Einsamkeit.

Da heisst es nicht bloß beim großartigen “so koit” Ohren und überhaupt warm einpacken, sondern ganz generell “Gute Nacht, du liebe Welt”, auf dass auch morgen noch ein wenig übrig bleibt, vom wunderschönen Herzeleid!

Am 20.11.2007 sind die Herren übrigens im OST zu belauschen. Vorab schon mal eine kleine Schmerzattacke …

Traumhaft

Da das Lebens- und Liebeskonzept der Interimsliebenden vor allem in dem Punkt schwächelt, dass man das Bettchen des Öfteren einzig und allein mit sich selbst zu teilen hat, ist es umso erfreulicher, wenn sich des Nächtens immer wieder gar wundersame Gesellen auf den einsam zelebrierten Federball verirren.

Und so führte einen Orpheus gestern sanften Schrittes zu einer doch recht außergewöhnlichen Begegnung mit dem seit früher Jugend aufs Tiefste verehrten Blixa Bargeld, der sich bester Laune in Gesellschaft eines nicht ganz unbekannten Alpenzoodirektors befand. Das war dann selbst in traumwandlerischem Zustand ein wenig too much, doch bevor man sich groß wundern konnte, hat auch schon der Wecker geläutet und “Aus der Traum”!

Gefühlsecht

Nach Schweineblase, Diaphragma & Co. nun die Pille für den Mann. Zumindest in Testversion. Medial gut abgestimmt, die Veröffentlichung eines männlichen Selbstversuchs, hatten wir doch erst kürzlich großformatige Anzeigen der Pille im Kaugummiformat, ganz abgesehen vom Allheilmittel Viagra. Das gibt´s jetzt auch für Frauen. Die Mutation des Austauschs von Körperflüssigkeiten vom reinen Vergnügen zum Hochleistungssport ist längst vollzogen. Wer vorn dabei sein will, fährt gut mit hormongesteuertem Tuning, oder auch nicht.

Denn spätestens wenn man die Pfade des eigenen Hormonsystems verlässt, um via Medikation im gegengeschlechtlichen hormonalen Universum auf Erkundungstour zu gehen, kann das recht bald ganz schön unlustig werden. Stichwort: vollbarttragende DDR Hammerwerferinnen.

In Zeiten der politischen Korrektheit wollen nun die Männer mit den Frauen gleichziehen und verhütungstechnisch medikamentös indizieren. Was ist da naheliegender als der Griff zur Pille. Doch man(n) sei gewarnt. Hormone lieben das Spiel mit den Gefühlen und da ist es ihnen einerlei, ob sie sich auf einer weiblichen oder männlichen Spielwiese befinden. Ist der Körper erst einmal dem Östrogen-Progesteron Feuerwerk ausgesetzt, zieht das zwangsläufig ein endokrines Beben nach sich, das nicht selten im Gefühlstsunami endet, emotionale Überschwemmungen inklusive. Das ist dann wie Achterbahn fahren auf einem schlechten Trip und der kann dauern. And believe me, als Frau hat man diesbezüglich so seine zyklischen Erfahrungen.

Es ist zwar in höchstem Maße lobenswert, wenn sich Männer aktiv an der Empfängnisverhütung beteiligen, ob´s aber unbedingt hormonell sein muss, sei dahingestellt und gilt in diesem Punkt für beide Geschlechter. Es scheint doch hinterfragenswert, warum gerade medikamentöse Formen der Kontrazeption besonders leistungsstark beworben werden, wo´s doch auch ohne ganz gut klappt, wie erst kürzlich wissenschaftlich einwandfrei dokumentiert. Das ging nur in dem ganzen Hypersex Getöse etwas unter, denn eines ist klar, Sex sells!

Logistik

Das Lieblingsprodukt ist nach längeren Lieferschwierigkeiten endgültig aus dem Sortiment genommen worden. Das Angebot im Warenlager hat DDR Charakter. Die Regale verstaubt und mäßig bestückt. Das, was da ist, unaufregendes Einerlei. Massenware ohne Qualitätsgehalt.

Man nimmt Kostproben, kommt aber nicht wirklich auf den Geschmack. Man will die salzige Frische der Auster und bekommt die ranzige Würze eines im Brotkasten vergessenen Milchweckerls. Trostlos das freudlose Knabbern am trockenen Rosinenkuchen, während man vom zuckersüßen Sahnetörtchen träumt.

Doch die Zeit der Tristesse scheint nun vorbei. Flink zum Schneebesen gegriffen und sie werden vielleicht doch noch wahr, die Träume, denn jetzt gibt es Männer zum selber Backen!




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.