Gerade wieder auf Reisen, muss man feststellen, dass der Zahn der Zeit nagt - und zwar neuerdings an der Sehkraft. Trotten die Beinchens immer noch brav vor sich hin, bringen einen Kommunikationsmissverständnisse zwischen Sehorgan und Hirnwindung immer öfter in höchste Sturzgefahr. Und das auch in Situationen, in welchem man nicht gerade mit Fahrrad bewaffnet auf Potsdamer Rolltreppen unterwegs ist und vom bockigen Drahtesel um ein Haar stranguliert wird. Glücklicherweise konnte man sich von diesem Schrecken bei einem kräftigenden Topf Bortsch in der russischen Kolonie erholen, das visuelle Kommunikationsproblem blieb davon aber unberührt. Und man hat, seit der Stadtplan kürzlich nur lesbar war, nachdem man den Unterarm Inspector-Gadget-mäßig ausgefahren hatte, einen Verdacht, der gruseln lässt - Weitsichtigkeit: ALTERSBEDINGT!
So passt man gut zur aktuellen Umgebung, denn auch im Chelsea Hotel ist der Lack ab, aber man altert mit Würde!
Stadttouren können anstrengend sein. Nächtliche mit schwerbedienbarem Riesenrad und im Zustand bereits völliger körperlicher Erschöpfung umso mehr - vor allem, wenn diese aufgrund der allgemeinen Schwäche von glucksenden Lachkrämpfen begleitet sind. Da kann es ganz schnell passieren, dass einen die rote Ampel das Gleichgewicht verlieren lässt, sich der Fahrradnachbar zuerst noch die Schuld an dieser Schräglage gibt, um schlussendlich und vor allem völlig ungerechtfertigt die Stürzende der Trunksucht zu bezichtigen. Möglicherweise war´s ja die Rhabarberschorle - könnte vergoren gewesen sein.
Wenn sich Mediendamen über 30 zu einem nächtlichen Stell-dich-ein auf einem Kiez-Balkon im hochsommerlichen Hamburg treffen, kann es passieren, dass die reine Erwähnung Dave Gahan´s zu Hyperventilationen führt und ExpertInnengespräche zu Hüfthosen und der Glattrasur ihrer Träger abendfüllend und im wahrsten Sinne des Wortes erschöpfend sind. Da braucht´s zum Frühstück eine dreifache Portion Fischbrötchen - vorzugsweise AAL!!! - und man ist fit für weitere Stunden Sozialvoyeurismus am Spielbudenplatz - idealerweise bei einem Gläschen Gin Tonic im Freiluftcafé des Hotel Monopol - the place to be!
Den Herren der Schöpfung sei in diesem Zusammenhang ein fetter Schlüsselbund an der (Hüft)hose empfohlen, um sich die Bordsteinschwalben vom Leibe zu halten und den Damen für frühmorgendliche Spaziergänge jenseits des Hans-Albers-Platzes züchtige Gewandung. Ansonsten kann es hier ganz schnell zu Verwechslungen kommen und man stellt sich noch heute die Frage, ob man diese als Kompliment oder doch eher Affront werten sollte. In Anbetracht des vorgeschrittenen Alters - oder der Uhrzeit des Geschehens - hat man sich als kurzberockte Rotschuhträgerin für Ersteres entschieden.
Nach einem Besuch der Asian Village und weltumspannendem Herzschmerz in Universalove verbrachte man das Wochenende vornehmlich auf der Beagle, ging man doch zumindest lesetechnisch mit Herrn Darwin auf Forschungsreise. 38°C am Sonnendeck und solare Dauerbestrahlung passten hervorragend zu den Abenteuern zwischen den Wendekreise. Und so tauchte man ein in die Welt der Finken, Echsen und Panzertiere und wenn man mit der Sonnenanbetung so weitermacht, bruzelt man sich langsam aber sicher selbst zur Schildkröte. In Anbetracht der beachtlichen 176 Lenzer einer Harriet durchaus keine schlechte Aussicht.
Das Leben als Bühne - war nicht bloß zu Jesus´ Zeiten so, sondern gilt auch für dessen Vaterdouble auf Erden. So wandelt der Papst seit heute also durch Jerusalem - alles großes Kino. Wie auch das aktuelle Schwerpunktprogramm des Weltkinos im de france: Naher Osten … Alles für meinen Vater in diesem Zusammenhang sicher empfehlenswert!
Suppenwürze