Im selbstgezimmerten Bücherschränkchen reihen sich die lonely planets Rücken an Rücken, Tramperrucksack, Isomatte und Kugelzelt sind noch immer bestens gewartet, doch irgendwie seit Jahren bereits einsatzlos, weil es einen statt in die weite Welt der Hostels und Couchsurfer dann doch eher ins weichgepolsterte Hotel very welcome im Gartenbaukino zieht.
Ein höchst unterhaltsamer Film über und für all jene, die, gefangen in der Saturiertheit westlicher Konsumlebenswelten, in jungen Jahren auszogen, um den Sinn des Lebens zu suchen. Dieser fand sich dann zumeist reicht schnell auf fernen Tramperpfaden, auf welchen sich der drogengeschwängerte und exzessiv körpersäfteaustauschende Egotrip ohne Maß und Ziel und vor allem besonders gut zum Beat der aufgehenden Sonne zelebrieren ließ. Abenteuerliche Busfahrten, nervenaufreibende Unterkunftssuchen - besonders beschwerlich wenn bei 40°C und schwerem Absinthkater - tonnenschwere Rücksäcke, knurrende Mägen und alle Unannehmlichkeiten des Streunertums landeten angesichts dieses Gefühlsoverflows recht schnell im Eck der romantischen Verklärung der Erinnerung.
Und so sitzt man heute im kuscheligen Kinosessel, wippt mit der Fußspitze zu Goatrance und träumt von der Jugend. Das nennt man dann mehr als mitten drin im Lebensalter der Erziehungsberechtigten wohl einen gelungenen Abend.

Das eifrige Studieren des Machwerks der Herren Friebe & Lobo trägt ein erstes zartes Früchtchen, welches in Form des online-Cityguides Schmap daherkommt, in welchem doch glatt ein comatöses Bildwerk veröffentlicht wurde.
Wie gut, dass man im Café Sperl nicht einfach nur im Kaffeesud gelesen, sondern auch hin und wieder auf den Auslöser gedrückt hat. Und wenn man sich zukünfig doch irgendwann einmal am Riemen reisst und die Chaos-Zufallsebene verlässst, wird vielleicht doch noch was aus dem Dagoberta Duck´schen Talerbad. Das Schwimmkostüm liegt auf alle Fälle schon parat.
Es gab Zeiten, da schleppte man sich bei 40°C Außentemperatur absinthverdampfend und auf primäre Körperfunktionen reduziert durch brütend heiße Pityusendörfer und war trotz oder gerade wegen des körperlichen wie geistigen Ausnahmezustands in höchstem Maße glückselig. Selbst, wenn in dieser Angeschlagenheit eine Zimmersuche, nicht selten unter der Last eines zentnerschweren Tramperrucksacks anstand und die Moral im Reiseduo mehr als zu wünschen übrig ließ. Ging alles, irgendwie und freudig leicht, sagt zumindest die Erinnerung.
Ein paar Jährchen später, ausgenüchtert und biovegan, hat man die Leichtigkeit mehr oder weniger und nicht zuletzt vielleicht aufgrund der altersbedingten Bequemlichkeit dem Diktat eines monetärophilen Regelwerks unterworfen, in dem sich aber auch irgendwie und freudig leicht leben lässt, sagt zumindest die Pensionsvorsorge.
Und so freut man sich im Schweiße des Computerangesichts auf die Rückkehr der glückseligen Leichtigkeit und übt schon mal mit Wassereis und Biolimo an den Gestaden heimischer Steppenseen. Denn die sind bis in 30 Jahren sowieso dahin und man selbst für heute auch.
Ein Ausflug zum Neusiedlersee ist immer eine feine Sache und der Genuss eines hausgemachten Marillenkuchens am Ruster Hauptplatz sowieso. Ein ebendort stattfindendes Schaulaufen busreisender Operettenliebhaber und -innen aus der nahen und fernen Provinz, dann eher weniger, weil Gefahr von Augensalat, und der ist dann doch etwas ung´schmackig.
So flüchtet man sich also vor dem retinalen Overkill in den lauschigen Gastgarten der vorzüglich aufkochenden Familie Sifkovits und findet sich alsbald mittendrin in einer weiteren Gattung Musik affiner Besucherschaft, nämlich jener, der Opernmenschen von St. Margarethen.
Und es zwängt sich die Frage auf, ob man nicht vielleicht selbst in einigen Jahren als Lemming in trashigem Retrotrachtenlook seiner greisen und dementsenilen Spaßmachertruppe in pittoreske Heimatfilm-Örtlichkeiten nachreisen und eingelullt in Grissemann´sche Wortgeschwader samt verklärter Erinnerung einer längst vergangenen Jugend nachhängen wird.
Suppenwürze