Tag-Archiv für Beziehung

Lust

Inkonsequenz führt nicht nur zu höchst vortrefflichem Fleischgenuss und lässt zeitweilig den nikotinergen Synapsenchor samt Verwandtschaft jubilieren, nein, auch das Lesevergnügen wird noch köstlicher, wenn man sich Mittwoch abends entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen dem moderationstechnischen Horrorkabinett eines Extrazimmers aussetzt und ganz unerwartet auf eine wahre literarische Perle trifft.

Berlin, what else und nach wie vor spritzig und frech. Diesmal in Person des Fräuleins von Schirach mit streng-frisiertem französischem Zopf ganz themenkonform. Denn wenn es um die Irrungen und Wirrungen geht, hat sich seit Herrn Fontane nicht wirklich viel geändert und das liest sich auch heute noch ganz vortrefflich. Speziell in Form des gepflegten Narzissmus der großstädtischen Intelligentia. Da geraten selbst Eisprinzessinnen ins Schmelzen.

Reinigung

Ostern ist vorüber, die Wohnung blitzblank und frau am überlegen, ob das jetzt eine Art putztechnischer Auferstehungsprozess war, oder vielleicht doch schleunigst ein professioneller Reinemachdienst beauftragt werden sollte, ein tiefenpsychologischer, in diesem Falle.

Doch wenn der Ausflug in den Orient wie schon die Jahre zuvor ausfällt, bleibt als phallisches Ersatzmotiv zum Lusttempel am Tiefen Graben schlichtweg nur der Staubwedel. Und das hat durchaus auch seine Vorteile. Denn in Windeseile haben so die eigenen vier Wände aus bakteriologischer Sicht die Güte eines High-Class-Operationssaals, selbst für die Gardinen gibt es einen UV-Schutz. In Zeiten permanenter Bedrohung, ich sage nur “Killerasteroide”, sicherlich nicht das Schlechteste.

Aufgrund des reinigenden Hochleistungssports wird zudem der eigene Körper vor Fettansatz, Cholesterinansammlung und ähnlichen lebensverkürzenden Faktoren geschützt. Es fehlt schlichtweg die Zeit zum Verzehr kulinarischer Erweckungsspezialitäten à la Osterei & Co.

Der Höhepunkt des Reinemachens, sozusagen die putztechnische Weihfeier, findet schließlich im Badezimmer statt. Hier werden mittels Zahnbürsterl die Fugen auf Blendax-Weiß poliert. Ein Vorgang, der ob des stetigen und höchst ausdauernd betriebenen Geschrubbes einer meditativen Versenkung gleichkommt. Somit kommt auch der Geist auf seine Rechnung, beim Putzmarathon.

Am Ende des Tages sind die Finger dann verschrumpelt und tragen jene aufgeweichte Blässe, die eines Gummihandschuhs entledigten Gliedmaßen eigen ist. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Die, also die Ausnahmen, tragen dann allerdings bloß Gummi ohne Handschuh. Vorm Verschrumpeln sind sie trotzdem nicht gefeit.

Das zeigt sich dann auch des nächtens in der Flimmerkiste. Weil solange das eigene Kisterl leer bleibt, holt man sich die Sozialkontakte aus dem Kabelfernsehen, ganz im Sinne des Cocoonings. Ein Trend, dem schon der Herr aus Nazareth folgte, saß doch auch er allein im Höhlenkämmerlein. Ob es an einer audiovisuellen Performance durch Maria M. lag, dass er dann gen Himmel fuhr, ist bis dato ungeklärt. Womit Ostern auch im nächsten Jahr seine Berechtigung haben dürfte. Den Putzwedel wird´s freuen.

Nimm mich

Der Karli macht grad ein bissi auf Macho, weil er glaubt, dass er so bei Frauen gut ankommt. Ist wohl auf seinen letzten Besuch im Gartenbaukino zurückzuführen. Er fühlt sich durch gezeigtes filmisches Machwerk türkischer Provenienz bestätigt, dass Frauen grundsätzlich auf hysterisch lachend nach Bändigungsex Flehende und wortlos trauernd Verstoßene zu minimieren sind. Er hätte gerne eine Kombination aus beiden. Bei Bedarf immer willig & wild und nach Ausmusterung nicht weiter lästig. Geisteskraft scheint dieser Tage wohl weniger seine Stärke. Und die Beurteilung der Manneskraft überlasse ich in diesem Fall anderen.

Klappensex

Gestern wieder mal mit Karli unterwegs. Kino. Danach ein kleiner Umtrunk. Sehr anstrengend. Weil Karli zuvor noch kurzfristig an der Filmvorführerin entflammt ist. Muss eine Stichflamme gewesen sein. Blendung. Und am Klo war´s auch dunkel.

Den Film haben wir dann aus der letzten Reihe genossen. Wegen der Nähe zum Vorführkammerl - ratter, ratter. Blöd nur, dass die gute Frau nach der Vorstellung plötzlich ein Mann war. Schlecht gelaufen, Karli. Das nächste Mal dann vielleicht doch wieder mit statt ohne - Brille.

Ohne Worte

Man muss ja nicht immer reden. Das hat sich wahrscheinlich auch die Irmi gedacht. Die hat nämlich den Karli sitzen lassen - einfach so. Und jetzt sitze ich mit dem Karli gestern im Schanigarten und wer kommt daher - die Irmi.

Stöckelt in ihrem mausgrauen Oberlehrerinnenkostüm wortlos am Karli vorüber - im Schlepptau zur Gewandung passenden Oberlehrerimitator. Und plötzlich ein Pups, ein unüberhörbares Purgieren, ein ganz gewöhnlicher Furz aus den Untiefen der Unentspanntheit.

Shit happens und ich habe ja sowieso nie verstanden, was der Karli an der Frau findet!




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.