Tag-Archiv für Bundesregierung

Wahltag

Das demokratische System führt sich ad absurdum, wenn das Volk seinem Wahlrecht nicht mehr nachkommt. Und so ist es mehr als bedenklich, wenn bei der Bundespräsidentenwahl nur knapp 50% aller Wahlberechtigten den Weg an die Urnen finden – Sommerwetter hin oder her. Das ist doch lächerlich - hierzulande scheint die Sonne öfter, als nur ein einem Tag! Alles andere als zum Lachen, ist allerdings die Tatsache, dass die aktuelle Regierungspolitik ebenso wie die Nichtpositionierung der bürgerlichen Seite für den Präsidentschaftskandidaten Fischer der politischen Gegenseite in die Hände gespielt und eine Kandidatin Rosenkranz überhaupt erst ermöglicht hat. Gleichzeitig darf angenommen werden, dass im Fehlen einer echten Alternative zum kandidierenden Amtsinhaber, ein maßgeblicher Grund für die Wahlverdrossenheit und die vielen Nichtwählerinnen und -wähler gesehen werden kann.

Doch es gab offensichtlich auch (politische) Umstände, die sich als der Wahlbeteiligung zuträglich erwiesen haben, wenn auch auf alarmierende Art und Weise. Denn im durch das geplante Erstaufnahmezentrum in die Medien gekommene Eberau gab es eine im Vergleich zum Bundesdurchschnitt hohe Wahlbeteiligung und mit fast einem Viertel der Stimmen ein ebenfalls über dem Bundestrend liegendes Ergebnis für die FPÖ-Kandidatin Rosenkranz.

Dies sollte den politischen Entscheidungsträgern in diesem Lande zu denken geben. Heute ist man mit einem blauen Auge davongekommen – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Protest hat sich voerst noch im Nichtwählen ausgerückt. In Ungarn gab es einen Rechtsruck, auf ORF 1 läuft der Untergang. Die Demokratie ist ein kostbares Gut – dies gilt es zu wahren!

Just do it

Passend zur schon seit längerem schwelenden Bildungsdebatte und NICHT als Rechtfertigung für Lehrende zu verstehe, hier ein Auszug aus Hermann Hesse´s Glasperlenspiel:

Das Schreiben des Magister Ludi an die Erziehungsbehörde

… Im Vergleich mit andern Zeitaltern, namentlich der feuilletonistischen Frühzeit mit ihren üppig dotierten Hochschulen, ihren zahllosen Geheimräten und luxuriösen Instituten sind diese Opfer in der tat nicht groß, und verschwindend klein sind sie verglichen mit denen, welche im kriegerischen Jahrhundert der Krieg und die Rüstung verschlang. Aber eben diese Rüstung wird vielleicht in Bälde wieder oberstes Gebot sein, im Parlament werden die Generäle wieder dominieren, und wenn das Volk vor die Wahl gestellt wird, Kastalien zu opfern oder sich der Gefahr von Krieg und Untergang auszusetzen, so wissen wir, wie es stimmen wird. Es wird alsdann auch ohne Zweifel sofort eine kriegerische Ideologie in Schwung kommen und namentlich die Jugend ergreifen, eine Schlagwort-Weltanschauung, nach welcher Gelehrte und Gelehrtentum, Latein und Mathematik, Bildung und Geistespflege nur soweit als lebensberechtigt gelten, als sie kriegerischen Zwecken zu dienen vermögen.

Die Woge ist schon unterwegs, einmal wird sie uns wegspülen. Vielleicht wird das gut und notwendig sein. Vorerst aber steht uns, sehr zu verehrende Kollegen, nach dem Maß unseres Erwachtseins und unsrer Tapferkeit jene beschränkte Freiheit des Entsschließens und Handelns zu, welche dem Menschen gegönnt ist und welche die Weltgeschichte zur Menschengeschichte macht.

Denn nicht zuletzt in Zeiten von “Daham statt Islam” gilt es im Bildungsbereich zu Handeln anstatt trotzig die Arbeit niederzulegen und pathetisch den Anfängen zu währen - wie dies im gestrigen Report sprachlich zum Teil übrigens höchst fragwürdig getan wurde. Die eine oder andere Äußerung des Gewerkschaftspersonals hätte in Punkto Grammatik eine glatte Fünf verdient. Und über den Inhalt lässt sich streiten.

STIMMgewaltig

Auf Arte Herr Godard und Herr Wagner aus dem Ö1 Radio. Der eine mit, der andere ohne Ton. Und nein, dies ist jetzt keine Anspielung auf den wahrlich bedauernswerten, stimmlich indisponierten Wotan-Barden Uusitalo, sondern vielmehr die Tatsache, dass es als glückliche Fügung des Schicksals zu werten ist, wenn der 3. Aufzug der “Walküre” mit dem Nouvelle Vague Pionier- und Meisterstück “A bout de souffle” zusammenfällt.

Jean-Paul Belmondo in jugendlichem Ungestüm perfekt in Szene gesetzt und musikalisch furiosest von den Philharmonikern untermalt. Großartigster Augen- und Ohrenschmaus und am aller großartigstes wieder einmal das Wiener Staatsopernpublikum - da wird ausgebuht ohne Punkt und Komma. Nur schade, dass der diesbezügliche Enthusiasmus nach der Vorstellung mit Abendkleid und Frack in den Kleiderschrank gesperrt wird. Denn ein paar Häuser weiter den Ring hinauf gebe es ein paar Damen und Herren, denen zwar nie die Stimme fehlt, dafür aber immer häufiger der Verstand - da darf ruhig auch mal ordentlich gebuht werden.

Kasperltheater

Die Hamburger ließen am Wochenende im Burgtheater die Puppen tanzen. Da standen sie dann, unsere Pappkameraden aus der Regierungsbank, und wurden vom Wählervolk mit Wasserbomben zu Fall gebracht. Flankiert von heimischer Medienprominenz, die ihnen getreu ins Verderben folgte.

Jenem Herrn, dem so Angst und Bang um die Kultur des Vaterlandes ist, wurde vor dem Bombardement noch stilecht ein flotter Seitenscheitel, eine quadratische Rotzbremse und zuchtstiermäßiges Gemächt aufgemalt. Das Stehvermögen ein fake wie im wirklichen Leben. Patsch und weg.

Gleiches Schicksal ereilte die wie immer unvorteilhafte Figur des Regierungsobersten. Allerdings ohne Körperbemalung. Dafür gewohnt substanzlos, auch wenn er´s kohlsuppengeschwängert krachen lässt. Patsch und weg.

Das Können der steuerfinanzierten Marionettenmannschaft bedarf keiner weiteren Diskussion. Der Umzug vom Hohen Haus in die Urania ist nur mehr eine Frage der Zeit. Dort wird er dann ausgerufen, der Märchenstaat im Puppentheater. Kasperl & Co. haben ausgedient. Bussi, Bussi, Gusistrach.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.