Wenn man sich an einem hochsommerlichen Samstag Abend “Wetten dass…” live aus Mallorca ansieht, ist man vor allem eines: selber schuld. Denn der Unterhaltungsdinosaurier aus den 80iger Jahren treibt einem nicht nur wegen der sommerlichen Hitze den Schweiß aus den Poren, sondern auch und vor allem aufgrund der fast bedrohlichen Schwere eines vom Prinzen zum Frosch mutierten Fernsehungeheuers.
Und so schwitzt man dann doch lieber mit und bei König Lear im Burgtheater und hält es nicht nur in Bezug auf den König von Mallorca und seine Vasallen mit dem Grafen von Gloster, der da meinte “Es ist ein Fluch der Zeit, dass Verrückte Blinde leiten”.
Wenn Worte zum reissenden Strom werden und einen die Sprachgewalt wie ein Sog in die Tiefen des Gesagten zieht, dann ist man mittendrin in einem Stück von Elfriede Jelinek. So etwa am vergangenen Samstag im Burgtheater im Kasino, als ein Text der Sprachvirtuosin gegeben wurde, der es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hatte.
Die Frau als reiner Gegenstand der männlichen Lustbarkeit. Deindividualisierung und Entmenschlichung, die dann doch gerade wieder dem Individuum und seinem menschlichen Bedürfnis nach Machtausübung und Lustgewinn zu dienen haben. Sklavinnen einer entarteten Maschinier der Selbstbestätigung in einer reizüberfluteten Konsumgesellschaft. Schneller, härter, billiger.
12 Klaviere und 1 Schauspielerin heben an zum Abgesang auf Respekt und Menschenwürde. Ein literarisches Meisterwerk, welches die Handschrift des Grauens trägt, und kein bisschen Hoffnung.
Die Hamburger ließen am Wochenende im Burgtheater die Puppen tanzen. Da standen sie dann, unsere Pappkameraden aus der Regierungsbank, und wurden vom Wählervolk mit Wasserbomben zu Fall gebracht. Flankiert von heimischer Medienprominenz, die ihnen getreu ins Verderben folgte.
Jenem Herrn, dem so Angst und Bang um die Kultur des Vaterlandes ist, wurde vor dem Bombardement noch stilecht ein flotter Seitenscheitel, eine quadratische Rotzbremse und zuchtstiermäßiges Gemächt aufgemalt. Das Stehvermögen ein fake wie im wirklichen Leben. Patsch und weg.
Gleiches Schicksal ereilte die wie immer unvorteilhafte Figur des Regierungsobersten. Allerdings ohne Körperbemalung. Dafür gewohnt substanzlos, auch wenn er´s kohlsuppengeschwängert krachen lässt. Patsch und weg.
Das Können der steuerfinanzierten Marionettenmannschaft bedarf keiner weiteren Diskussion. Der Umzug vom Hohen Haus in die Urania ist nur mehr eine Frage der Zeit. Dort wird er dann ausgerufen, der Märchenstaat im Puppentheater. Kasperl & Co. haben ausgedient. Bussi, Bussi, Gusistrach.
Suppenwürze