Tag-Archiv für Burgtheater

Romeo und Julia

Man hat die Kritiken zur Hartmann´schen Romeo und Julia Inszenierung geflissentlich überhört- und lesen und konnte so ganz vorbehaltslos dem Liebesdrama lauschen, als es im Burgtheater seinen Lauf nahm.

Und da es sich beim Theater spielen um die szenische Wiedergabe des geschriebenen Wortes handelt und dargebotenen Bilder per se nach einer ästhetischen Reaktion verlangen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass es vonseiten des Publikums heftige Äußerungen zum Bühnengeschehen gab. Denn während das geschriebene Wort vornehmlich unsere Vorstellungskraft fordert, treffen uns Bilderfluten in ihrer Unmittelbarkeit in unserem Empfinden und provozieren Emotionen. Wenn das Ganze dann auch noch mit einem entsprechenden Geräuschpegel einhergeht, darf es nicht weiter verwundern, wenn die Reaktionen dementsprechend heftig ausfallen. Und so gab es einerseits die erzürnten Vorstellungsverlasser und Buhrufer, andererseits aber auch eine Menge von gänzlicher Begeisterung beseelter Lauscher.

Selbst stellt man sich nach der in allen Punkten als großartig wahrgenommenen, Vorstellung die Frage, wie es kommt, dass Romeo und Julia seit Jahrhunderten als Innbegriff romantischen Liebeswerbens gehandelt werden. Ist es nicht viel mehr genau das Gegenteil, nämlich das Aufzeigen eines liebestechnischen Irrweges, den eine streng hierarchische und patriarchale Gesellschaft vorgegeben hat und aus dem es zumindest aus Sicht der Frau nur den Ausweg in Morpheus todbringende Arme oder die eines geifernden Alten gibt. Ist es nicht die totale Verneinung des Ich und die Auslöschung der eigenen Individualität und steht damit doch in krassem Gegensatz zu den Grundfesten der Romantik und zeigt vielmehr eine schnörkellose Realität, die es auch in heutiger Zeit, wenn auch in abgewandelter, aber gleichermaßen tödlichen Ausprägung gibt, wenn etwa Staaten zum hinterfragenswerten Wohl der Weltbevölkerung Kriege führen. Es ist doch ein Paradoxon im Tod einzelner das Heil vieler zu suchen, lebt eine Gesellschaft doch von den Lebendigen und nicht von den Toten.

Sozialsegmentierungssensibilisierung

Wenn man sich an einem hochsommerlichen Samstag Abend “Wetten dass…” live aus Mallorca ansieht, ist man vor allem eines: selber schuld. Denn der Unterhaltungsdinosaurier aus den 80iger Jahren treibt einem nicht nur wegen der sommerlichen Hitze den Schweiß aus den Poren, sondern auch und vor allem aufgrund der fast bedrohlichen Schwere eines vom Prinzen zum Frosch mutierten Fernsehungeheuers.

Und so schwitzt man dann doch lieber mit und bei König Lear im Burgtheater und hält es nicht nur in Bezug auf den König von Mallorca und seine Vasallen mit dem Grafen von Gloster, der da meinte “Es ist ein Fluch der Zeit, dass Verrückte Blinde leiten”.

Über Tiere

Wenn Worte zum reissenden Strom werden und einen die Sprachgewalt wie ein Sog in die Tiefen des Gesagten zieht, dann ist man mittendrin in einem Stück von Elfriede Jelinek. So etwa am vergangenen Samstag im Burgtheater im Kasino, als ein Text der Sprachvirtuosin gegeben wurde, der es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hatte.

Die Frau als reiner Gegenstand der männlichen Lustbarkeit. Deindividualisierung und Entmenschlichung, die dann doch gerade wieder dem Individuum und seinem menschlichen Bedürfnis nach Machtausübung und Lustgewinn zu dienen haben. Sklavinnen einer entarteten Maschinier der Selbstbestätigung in einer reizüberfluteten Konsumgesellschaft. Schneller, härter, billiger.

12 Klaviere und 1 Schauspielerin heben an zum Abgesang auf Respekt und Menschenwürde. Ein literarisches Meisterwerk, welches die Handschrift des Grauens trägt, und kein bisschen Hoffnung.

Kasperltheater

Die Hamburger ließen am Wochenende im Burgtheater die Puppen tanzen. Da standen sie dann, unsere Pappkameraden aus der Regierungsbank, und wurden vom Wählervolk mit Wasserbomben zu Fall gebracht. Flankiert von heimischer Medienprominenz, die ihnen getreu ins Verderben folgte.

Jenem Herrn, dem so Angst und Bang um die Kultur des Vaterlandes ist, wurde vor dem Bombardement noch stilecht ein flotter Seitenscheitel, eine quadratische Rotzbremse und zuchtstiermäßiges Gemächt aufgemalt. Das Stehvermögen ein fake wie im wirklichen Leben. Patsch und weg.

Gleiches Schicksal ereilte die wie immer unvorteilhafte Figur des Regierungsobersten. Allerdings ohne Körperbemalung. Dafür gewohnt substanzlos, auch wenn er´s kohlsuppengeschwängert krachen lässt. Patsch und weg.

Das Können der steuerfinanzierten Marionettenmannschaft bedarf keiner weiteren Diskussion. Der Umzug vom Hohen Haus in die Urania ist nur mehr eine Frage der Zeit. Dort wird er dann ausgerufen, der Märchenstaat im Puppentheater. Kasperl & Co. haben ausgedient. Bussi, Bussi, Gusistrach.