Tag-Archiv für Fernsehen

Kulturauftrag

Cineast@s haben es nicht wirklich leicht mit dem öffentlich-rechtlichen Sender. Dort gibt es zwar beizeiten immer wieder durchaus beherztes Filmprogramm, allerdings ausschließlich zu nachtschlafender Zeit, und man kann ja nicht ewig studieren.

Da freut es umso mehr, wenn hierzulande eine Kultureinrichtung nicht nur ihrem Bildungsauftrag nachkommt, sondern dies auch zu einer für die arbeitstätige Bevölkerung akzeptablen Tageszeit tut. Wie eben das Instituto Cervantes. Dort gibt es eine Woche lang skuril Genüssliches aus Barcelona. Ventura Pons at it´s best und das ohne am nächsten Morgen von den eigenen Augenringen erschlagen zu werden.

Sozialsegmentierungssensibilisierung

Wenn man sich an einem hochsommerlichen Samstag Abend “Wetten dass…” live aus Mallorca ansieht, ist man vor allem eines: selber schuld. Denn der Unterhaltungsdinosaurier aus den 80iger Jahren treibt einem nicht nur wegen der sommerlichen Hitze den Schweiß aus den Poren, sondern auch und vor allem aufgrund der fast bedrohlichen Schwere eines vom Prinzen zum Frosch mutierten Fernsehungeheuers.

Und so schwitzt man dann doch lieber mit und bei König Lear im Burgtheater und hält es nicht nur in Bezug auf den König von Mallorca und seine Vasallen mit dem Grafen von Gloster, der da meinte “Es ist ein Fluch der Zeit, dass Verrückte Blinde leiten”.

Digestif

Wenn auf eine Begrüßungsfloskel und die Anwort “Na ja, nicht so prächtig, weil seit Tagen schwere Übelkeit” ein “Sehr schön. Sehr gut” folgt, dann handelt das mitfühlenden Gegenüber entweder mit Kotztüten, oder aber castet für die Doku-Soap “Kotz dich frei”.

Warum eigentlich nicht, denn nach selbstentblößenden Quotenschlagern wie “Hilfe, wir bringen unsere Kinder um“, “Hilfe, unsere Kinder bringen uns um” und “Hilfe, mich will keiner umbringen” wäre doch ein Format der gänzlichen Selbstentäußerung nur schlüssig und entspräche auch durchaus dem wohlstandsgenährten Zeitgeist.

ORF Neu

Das war sie also, die große Programmreform des ORF. Wobei Größe hier primär für Quantität als Qualität stehen dürfte. So wurden zwar zig neue und relaunchte Formate vorgestellt, ob sich damit auch die Güte des Gezeigten verbessert hat, sei dahingestellt. Der Vorstellung haftete etwas Provinzielles, Kleinbürgerliches an. Dies spiegelte sich auch im Verhalten der Protagonistenschar wider, welches Parallelen zu Initiationsritualen religiösen Ursprungs aufwies. Aufgeputzt wie Firmlinge und mit dieser kindlich-naiven Art, dem Herrn Pfarrer und der versammelten Gemeinde beweisen zu wollen, wie brav man sich vorbereitet hat, erzeugten sie bei der Zuseherin eher Mitleid als Begeisterung.

Und das, obwohl man ja durchaus guten Willens war, sich dem Dargebotenen vorurteilsfrei anzunähern. Nur, wenn das Produkt nicht überzeugt, hilft auch das Wohlwollen nicht weiter. Es ging ja nicht darum, das Fernsehen neu zu erfinden, aber vielleicht ein wenig Witz, Lässig- und vor allem Leichtigkeit einfließen zu lassen.

Da hilft auch der dem Zeitgeist vorauseilende Umstieg auf 16:9 nicht wirklich, wenn überhaupt. Die ZIB Inserts haben was Kultiges, da sie in Helnwein´scher 80iger Jahre Manier gelegentlich Wortspender visuell mundtot machen. Zwei Liveschaltungen in einer neun Minutensendung sind dann vielleicht auch ein wenig zu viel des Guten, die Performance der Außenmoderatoren durchwegs gewagt: Herr Wadsak am Zentrumsdach, Herr Gehrer im feschen Sommeranzug live vorm noch im Morgenschlaf befindlichen Verteidigungsministerium. Dann gibt es eine Wettervorhersage für 15 Tage, die sich aus Mittelwerten vergangener Extremtemperaturen zusammensetzt. Was soll das bitte sein, da kann man ja gleich eine Jahrhundertprognose erstellen.

Selbige scheint für das öffentlich-rechtliche Fernsehen hierzulande nach dem gestrigen TV-Spektakel obsolet. Irgendwie geht´s immer weiter und am Ende war´s doch nicht mehr als viel Lärm um Nichts.