Tag-Archiv für Film

Weltenbummler

Im selbstgezimmerten Bücherschränkchen reihen sich die lonely planets Rücken an Rücken, Tramperrucksack, Isomatte und Kugelzelt sind noch immer bestens gewartet, doch irgendwie seit Jahren bereits einsatzlos, weil es einen statt in die weite Welt der Hostels und Couchsurfer dann doch eher ins weichgepolsterte Hotel very welcome im Gartenbaukino zieht.

Ein höchst unterhaltsamer Film über und für all jene, die, gefangen in der Saturiertheit westlicher Konsumlebenswelten, in jungen Jahren auszogen, um den Sinn des Lebens zu suchen. Dieser fand sich dann zumeist reicht schnell auf fernen Tramperpfaden, auf welchen sich der drogengeschwängerte und exzessiv körpersäfteaustauschende Egotrip ohne Maß und Ziel und vor allem besonders gut zum Beat der aufgehenden Sonne zelebrieren ließ. Abenteuerliche Busfahrten, nervenaufreibende Unterkunftssuchen - besonders beschwerlich wenn bei 40°C und schwerem Absinthkater - tonnenschwere Rücksäcke, knurrende Mägen und alle Unannehmlichkeiten des Streunertums landeten angesichts dieses Gefühlsoverflows recht schnell im Eck der romantischen Verklärung der Erinnerung.

Und so sitzt man heute im kuscheligen Kinosessel, wippt mit der Fußspitze zu Goatrance und träumt von der Jugend. Das nennt man dann mehr als mitten drin im Lebensalter der Erziehungsberechtigten wohl einen gelungenen Abend.

Handarbeit

Waren es im alten Ägypten die Pyramiden, welche sich durch der Hände Arbeit langsam gen Himmel reckten, so sind es in Zeiten zunehmender Automat- und Digitalisierung, abgesehen von wilden Verfolgungsjagden auf der Laptoptastatur, vornehmlich körpereigene Bauwerke, die sich unter Anleitung flinker Fingerleins zu strecken und recken wissen.

Das kam speziell filmisch aufbereitet immer schon gut, und so rubbelt sich auch aktuell Frau Faithful als Irina Palm zur nachfragestarken Lustspenderin, während in Spanien Massagehände in dunkelblaufastschwarz neben Entspannung vor allem lustvolle Erleichterung mit sich bringen.

Umwelttechnisch 1a, dieses ressourcenarme Arbeits- und Freizeitvergnügen und über Moral lässt sich streiten, oder auch nicht. Der Unterhaltungswert ist auf Fälle hoch.

Phantasma

Schnee ist das Blut der Geister. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass David Lynch in seinem neuen Meisterwerk Teile der Handlung in das tiefverschneite Lodz verlegt hat. Was die Sache verständnistechnisch allerdings nicht wirklich vereinfacht, denn was ist hier Realität und was Fiktion. Gibt es eine Grenze zwischen Tagtraum und dem Hier und Jetzt, oder aber verschwimmt alles zu einem Ganzen, das nach seinem eigenen Prinzip funktioniert und läuft und läuft und läuft und sich irgendwann in einer Endlosschleife gefangen findet, aus der es kein Entrinnen mehr gibt.

Während guter drei Stunden manisch-psychotischer Reizüberflutung verliert man sich selbst immer wieder in einem Chaos aus (Alb)traumbildern und Hollywoodschick, glaubt sich zwischenzeitlich auf sicherem Boden, um dann wieder völlig haltlos im Handlungsstrang verloren zu gehen. Visuell ein Augenschmaus, werden auch die Ohren nicht enttäuscht von einer düster und bisweilen sogar höchst poppigen Hintergrundbeschallung. Und der Geist, der bekommt Futter für die nächsten Monate. Phantastisch!

Gute Zeichen - schlechte Zeichen

In den 80iger Jahren waren wir begeistert. Vom Ritter der Nacht und seinem Auto. Heute sind es die Waldgeister und die Teilchenbahn im Wagen des ehemaligen Staatsoberhauptes. Keine special effects, no sex to sell. Zumindest kein hochglanzverpackter, Botox glattgespritzter, hybrider Cyberverkehr.

Man(n) sehnt sich nach Lippen. Unschuldig jungen von ebendiesen. Nimmt aber auch mit den Nikotonvergilbten des vorhandenen Gegenübers vorlieb. Attacken von Weltekel und Achtelerektionen wechseln einander ab. Einer als Ilse Puck getarnten, radioturnenden Eva Umbauer zum Trotz. Untermalt vom baseline-igen Tacken der Alarmanlage.

Das goldpaillettierte Beischlafutensilienköfferchen wird ob dem Zwang körperlicher Entleerung zum Schwab´schen Fäkalinstrument. Den eigenen Körpersaft nimmt man zum 5 Uhr Tee. Im Kofferraum ist auch noch etwas Heringsalat. Dazwischen Geplenkel über das eigene Nichtsein.

Tristesse deluxe fernab der Prozac geschwängerten Welt der Supermänner und -frauen. Wunderbar und sehr sexy!