Tag-Archiv für Gesellschaftsbild

Gute Zeichen - schlechte Zeichen

In den 80iger Jahren waren wir begeistert. Vom Ritter der Nacht und seinem Auto. Heute sind es die Waldgeister und die Teilchenbahn im Wagen des ehemaligen Staatsoberhauptes. Keine special effects, no sex to sell. Zumindest kein hochglanzverpackter, Botox glattgespritzter, hybrider Cyberverkehr.

Man(n) sehnt sich nach Lippen. Unschuldig jungen von ebendiesen. Nimmt aber auch mit den Nikotonvergilbten des vorhandenen Gegenübers vorlieb. Attacken von Weltekel und Achtelerektionen wechseln einander ab. Einer als Ilse Puck getarnten, radioturnenden Eva Umbauer zum Trotz. Untermalt vom baseline-igen Tacken der Alarmanlage.

Das goldpaillettierte Beischlafutensilienköfferchen wird ob dem Zwang körperlicher Entleerung zum Schwab´schen Fäkalinstrument. Den eigenen Körpersaft nimmt man zum 5 Uhr Tee. Im Kofferraum ist auch noch etwas Heringsalat. Dazwischen Geplenkel über das eigene Nichtsein.

Tristesse deluxe fernab der Prozac geschwängerten Welt der Supermänner und -frauen. Wunderbar und sehr sexy!

Kammerdiener

Die Interessensvertretung der österreichischen Wirtschaft macht auf fortschrittlich und ermutigt die Bevölkerung zu mehr Selbstständigkeit. Es werden Kurse angeboten. Kostenlos. Da sitzt die Pudelfrisur mit gezücktem Kamm und Schere und wartet endlich auf die Vierbeiner losgelassen zu werden. Schon findet sich eine Konkurrentin. Sie macht´s mit Hausbesuch und mobiler Frisierkiste. Der Astrofreak hat die Glaskugel gleich mitgebracht. Die Numerologin will auch ein wenig Energiearbeit anbieten. Ebenso die Pädagogin. Dazwischen ein paar Neogastwirte und das Fetzengeschäft soll auch recht einträglich sein. Egal ob first oder second hand. Hauptsache innovativ. Das scheint im Übrigen mit energetisch gleichsetzbar. Es gibt auch den entsprechenden Dachverband. Eine Energiekammer sozusagen. Interessant. Da kann dann ja nichts mehr schiefgehen mit dem Potential. Auren, Geister und Konsorten sei´s gedankt. Kaum hat sich die Gesellschaft religiös ein wenig emanzipiert, lauert schon die nächste unsichtbare Verführung der dritten Art. Wann hört das endlich auf.

Stubenhocker

Charly hat mir gestern erzählt, dass er noch nie draußen war - aus Österreich. Und er kann das überhaupt nicht verstehen, warum alle immer ins Ausland wollen. Sind ja eh schon so viele Ausländer da. Da kommt er - der Charly - sich eh schon vor wie im Ausland. Und überhaupt. Er kann sich nicht vorstellen, dass es irgendetwas gibt, was es in Österreich nicht gibt, was ihm abgehen könnte, wenn er nicht ins Ausland fährt. Und dann wäre da noch das Sprachproblem. Das sieht Charly zwar nicht als solches, weil bitte, wenn schon, dann sollten gefälligst die anderen deutsch lernen. Ist ja immerhin - zumindest laut seiner Theorie - die Mutter aller Sprachen. Nun denn. Es ist müßig mit Charly darüber zu diskutieren. Für ihn ist hier alles paletti. Und wenn was nicht stimmt, dann hat das mit den Ausländern zu tun, oder jenen, die mit ihnen sympathisieren.

Klingt jetzt alles sehr klischeehaft, aber der Charly ist ein Klischee. Ein lebendes und ein zutiefst österreichisches. Ein hausgemachtes. Und solange die hiesige Bildungs- und Sozialpolitik ihren Kurs beibehält, wird sich daran auch nicht viel ändern. Das gilt auch für die Medien. Der Charly ist sehr stolz auf seinen Presseausweis.

Im Tröpferlbad

Wir machen jetzt ein bissi auf Wellness haben S. und ich kürzlich beschlossen. Also ging es kurz nach Beschlussfassung auch schon Richtung Wellnessoasa. So die Internetbeschreibung des von uns ins Auge gefassten Erholungsrefugiums. Heilquelle mit allem Pipapo und noch vielem mehr.

Nach einer Stunde Kolonnenverkehr durch die Stadt sind wir am Ziel unserer erholungstechnischen Träume und mitten in den 80iger Jahren angelangt. Klobiger Betonbau, es überwiegen Brauntöne und - es stinkt. Eine Tatsache, die jetzt nicht unbedingt dem Retrostyle anhaftet, aber uns künftig einen großen Bogen um Schwefelthermen machen lassen wird. Nase zu und durch heißt fürs erste die Devise.

Endlose Gangschluchten mit noch endloseren Kabinenreihen und scheinbar nie enden wollenden Wegweisern, die uns im Kreis führen. Hilfe! Nachdem die Orientierung nicht zuletzt aufgrund der olfaktorischen Sinnestrübung vollends verloren ist, finden wir unsere Kästchen - endlich. Rein ins Schwimmkostüm und auf zum Badevergnügen! Abermals verloren in endlosen Gängen und Stiegenhäusern landen wir dann doch irgendwann in der Schwimmhalle.

Im Becken 1 findet Aqua-Aerobic statt, im Becken 2 eine Art Faschingsfest. Beliebteste Verkleidung ist der aufgeklebte Schnauzbart, die Vokuhila-Perücke und das Schwimmhoserl im Tigerlook. Voll im Trend auch Abzieh-Tattoos aus dem Süßigkeitsautomaten. Sehr stylish auch der Badegast mit geschätzen 10 Kilo Silberschmuck am Körper - schwere Panzergliederketten - versteht sich. Wir staunen!

Ein Schimanski Imitator hat sich uns an die Fersen geheftet, entflammt dann aber doch für eine vollbusige Endfünfzigerin in Wasserstoffblond. Man kennt sich - oder auch nicht. Bussi hier, Bussi da und noch ein bissi dort. Ihr Arm zuckt rhythmisch unter Wasser. Schimanski schaut beglückt. Na servas!

Im Außenbecken herrscht großer Andrang an den Unterwasserdüsen. Es wird in Schlange geschwommen, eingereiht, vorwärts gedrängt und abermals findet man(n) an uns Gefallen. Doch der Massagestrahl trifft ungünstig. Das Unterwasserzelt bricht ein und wir vor lachen fast zusammen. Da geht noch was!

In der Kneipp-Anlage wird im Strochenschritt Wasser getreten. Die Füße sind schon blau, es klappert das Gebiss. Verfrühtes Austreten aus der Tretgruppe geht aber nicht, weil bitte, wie sieht denn das aus. Group pressure nennt sich das dann wohl im Fachjargon. Also gut, weiter. Dann doch raus und glücklicherweise noch gerade am Schicksal des Sir Edmund Hillary vorbeigeschrammt. Alle Zecherln noch dran. Wie schön. Und jetzt freue ich mich auf ein erholsames Wannenbad - zu Hause!

Ohne Worte

Man muss ja nicht immer reden. Das hat sich wahrscheinlich auch die Irmi gedacht. Die hat nämlich den Karli sitzen lassen - einfach so. Und jetzt sitze ich mit dem Karli gestern im Schanigarten und wer kommt daher - die Irmi.

Stöckelt in ihrem mausgrauen Oberlehrerinnenkostüm wortlos am Karli vorüber - im Schlepptau zur Gewandung passenden Oberlehrerimitator. Und plötzlich ein Pups, ein unüberhörbares Purgieren, ein ganz gewöhnlicher Furz aus den Untiefen der Unentspanntheit.

Shit happens und ich habe ja sowieso nie verstanden, was der Karli an der Frau findet!