Wochenends flüchtete man vor nächtlichen Hitzeattacken in den eisgekühlten Kinosaal und führte sich das neueste Tarantino Machwerk zu Gemüte. Angesichts der hitzebedingten, intellektuellen Ausfallserscheinungen eine gute Entscheidung, denn auch Herrn Tarantino dürfte während des Drehbuchschreibens sehr heiß gewesen sein.
Somit passte filmisches Anspruchsniveau und der Geisteszustand der Zuseherin wie der Fuß aufs Gaspedal und man hatte einen Riesenspaß an Russel´scher Actionkomik gepaart mit trinkfesten Charly´s-Angels-Klonen und wilden Verfolgungsjagden. Dass die Geschichte dazwischen eher mau als wow war, darf vernachlässigt werden, war das doch schon bei Bud Spencer und Terence Hill nicht anders.
Und weil der eigene Dodge Challenger in Wirklichkeit ein 50 PS Lupo ist und der Sonnenstich für Breitreifen und Neonlack an den Gestaden des Wörthersees doch noch nicht ausreicht, wird jetzt ganz schnell die alte Carrera-Bahn aus dem Keller geholt und Gas gegeben, Vollgas, versteht sich. Denn fürs Bremsen ist es einfach viel zu heiß und das Leben sowieso zu kurz.
Gegen Mitternacht einem höchst wortkargen Fernsehkoch bei der Arbeit zuzusehen, ist durchaus ein Vergnügen, speziell wenn der eigene Kühlschrank voll ist. Fehlanzeige allerdings an Tagen, an welchen Körper und Geist hitzebedingt auf Sparflamme geschraubt sind und die intellektuelle Herausforderung eines Einkaufs dabei nicht im Arbeitsvorgang vorgesehen und obendrein das Hunger- einem ständigen Durstgefühl unterlegen ist.
Da kann es dann schon passieren, dass der Magen zur Geisterstunde in Wolfsmanier zu knurren beginnt und man sich selbst ein gewissen Maß an Masochismus und der Sendeanstalt ein ebensolches an Sadismus zugestehen muss, wenn man sich unter dieser Bedingung einer derartigen visuell-kulinarischen Reizüberflutung aussetzt respektive ausgesetzt wird.
Sehr lecker der Herr Müller und seine Speisen. Und das nächste Mal wird vorher eingekauft!
Wenn die eigene Wohnung temperaturmäßig an einen Backofen erinnert, haben entweder die Nachbarn gezündelt, oder aber die Subtropen auf ihrem klimatischen Eroberungsfeldzug gen Norden endgültig heimische Gefilde erreicht.
Und weil nach erster Nachschau eine Feuerbrunst auszuschließen ist, sucht man in exzessiven Kaltduschungen hitzetechnische Erlösung, die allerdings nicht von Dauer ist. So geht es schnellen Schrittes und in steter Gefahr eines hitzebedingten Systemabsturzes in Richtung öffentliche Badeanstalt, die dann aber auch nur mit einem maßlos überfüllten Plantschbecken aufwarten kann. Und so zwängt man sich alsbald zwischen sonnengeölten Wohlstandskörpern und sucht irgendwie vergeblich die erhoffte Abkühlung.
Abends versucht man dann hochprozentige Kühlmaßnahmen in Form einer vorzüglich mundenden Pfirsichbowle und erwischt sich dabei nach jahrelanger Abstinenz doch glatt beim genussvollen Zug an einem wohlschmeckenden Nikotinsoletti . Laut Werbebotschaft verspricht zumindest das Coolness.
Da versucht man den Körper aufgrund der subtropischen Außentemperaturen nahrungstechnisch Richtung Gefrierpunkt zu fahren und initiert damit statt der erhofften Abkühlung ungewollt einen gastrointestinalen Supergau samt Fieberschub.
Allein der Gedanke an Tomaten mit Mozarella lassen den Magen dauerrotieren und selbst Herr Pfefferminztee will zwar geschluckt, aber nicht gesäuert werden und nimmt daher auch schupps wieder den Weg nach oben. Somit wird aus dem Freizeitspass im Schwimmbad dann wohl eher ein unlustiges Sit-in am gar nicht mehr stillen Örtchen.
Suppenwürze