Tag-Archiv für Jugend

Der Zahn der Zeit

Nachdem man selbst seit geraumer Zeit morgens mit hängebauchschweinmäßigen Wasserresservoirs unter den Äugleins aufwacht, gegen die nicht einmal mehr fingerdick aufgetragende Popocreme - war bis jetzt mehr als bloß ein Geheimtipp - was ausrichtet, kann man nur erahnen, wie grausam der körperliche Verfall erst für ehemalige Luxuskörperbesitzerinnen sein muss. Daher hier und heute und vor allem gegen das aktuelle Pam-bashing der Boulevardpresse ein Hoch auf den durchaus bagschierlichen Laufstegauftritt der 80iger Wassernixe. Ein wenig speedy, aber style ist style und wenn die Jugend vorbei, gibt es auch nichts mehr zu verlieren …

Just do it

Passend zur schon seit längerem schwelenden Bildungsdebatte und NICHT als Rechtfertigung für Lehrende zu verstehe, hier ein Auszug aus Hermann Hesse´s Glasperlenspiel:

Das Schreiben des Magister Ludi an die Erziehungsbehörde

… Im Vergleich mit andern Zeitaltern, namentlich der feuilletonistischen Frühzeit mit ihren üppig dotierten Hochschulen, ihren zahllosen Geheimräten und luxuriösen Instituten sind diese Opfer in der tat nicht groß, und verschwindend klein sind sie verglichen mit denen, welche im kriegerischen Jahrhundert der Krieg und die Rüstung verschlang. Aber eben diese Rüstung wird vielleicht in Bälde wieder oberstes Gebot sein, im Parlament werden die Generäle wieder dominieren, und wenn das Volk vor die Wahl gestellt wird, Kastalien zu opfern oder sich der Gefahr von Krieg und Untergang auszusetzen, so wissen wir, wie es stimmen wird. Es wird alsdann auch ohne Zweifel sofort eine kriegerische Ideologie in Schwung kommen und namentlich die Jugend ergreifen, eine Schlagwort-Weltanschauung, nach welcher Gelehrte und Gelehrtentum, Latein und Mathematik, Bildung und Geistespflege nur soweit als lebensberechtigt gelten, als sie kriegerischen Zwecken zu dienen vermögen.

Die Woge ist schon unterwegs, einmal wird sie uns wegspülen. Vielleicht wird das gut und notwendig sein. Vorerst aber steht uns, sehr zu verehrende Kollegen, nach dem Maß unseres Erwachtseins und unsrer Tapferkeit jene beschränkte Freiheit des Entsschließens und Handelns zu, welche dem Menschen gegönnt ist und welche die Weltgeschichte zur Menschengeschichte macht.

Denn nicht zuletzt in Zeiten von “Daham statt Islam” gilt es im Bildungsbereich zu Handeln anstatt trotzig die Arbeit niederzulegen und pathetisch den Anfängen zu währen - wie dies im gestrigen Report sprachlich zum Teil übrigens höchst fragwürdig getan wurde. Die eine oder andere Äußerung des Gewerkschaftspersonals hätte in Punkto Grammatik eine glatte Fünf verdient. Und über den Inhalt lässt sich streiten.

Glück

Es gab Zeiten, da schleppte man sich bei 40°C Außentemperatur absinthverdampfend und auf primäre Körperfunktionen reduziert durch brütend heiße Pityusendörfer und war trotz oder gerade wegen des körperlichen wie geistigen Ausnahmezustands in höchstem Maße glückselig. Selbst, wenn in dieser Angeschlagenheit eine Zimmersuche, nicht selten unter der Last eines zentnerschweren Tramperrucksacks anstand und die Moral im Reiseduo mehr als zu wünschen übrig ließ. Ging alles, irgendwie und freudig leicht, sagt zumindest die Erinnerung.

Ein paar Jährchen später, ausgenüchtert und biovegan, hat man die Leichtigkeit mehr oder weniger und nicht zuletzt vielleicht aufgrund der altersbedingten Bequemlichkeit dem Diktat eines monetärophilen Regelwerks unterworfen, in dem sich aber auch irgendwie und freudig leicht leben lässt, sagt zumindest die Pensionsvorsorge.

Und so freut man sich im Schweiße des Computerangesichts auf die Rückkehr der glückseligen Leichtigkeit und übt schon mal mit Wassereis und Biolimo an den Gestaden heimischer Steppenseen. Denn die sind bis in 30 Jahren sowieso dahin und man selbst für heute auch.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.