Tag-Archiv für Kultur

STIMMgewaltig

Auf Arte Herr Godard und Herr Wagner aus dem Ö1 Radio. Der eine mit, der andere ohne Ton. Und nein, dies ist jetzt keine Anspielung auf den wahrlich bedauernswerten, stimmlich indisponierten Wotan-Barden Uusitalo, sondern vielmehr die Tatsache, dass es als glückliche Fügung des Schicksals zu werten ist, wenn der 3. Aufzug der “Walküre” mit dem Nouvelle Vague Pionier- und Meisterstück “A bout de souffle” zusammenfällt.

Jean-Paul Belmondo in jugendlichem Ungestüm perfekt in Szene gesetzt und musikalisch furiosest von den Philharmonikern untermalt. Großartigster Augen- und Ohrenschmaus und am aller großartigstes wieder einmal das Wiener Staatsopernpublikum - da wird ausgebuht ohne Punkt und Komma. Nur schade, dass der diesbezügliche Enthusiasmus nach der Vorstellung mit Abendkleid und Frack in den Kleiderschrank gesperrt wird. Denn ein paar Häuser weiter den Ring hinauf gebe es ein paar Damen und Herren, denen zwar nie die Stimme fehlt, dafür aber immer häufiger der Verstand - da darf ruhig auch mal ordentlich gebuht werden.

Kulturauftrag

Cineast@s haben es nicht wirklich leicht mit dem öffentlich-rechtlichen Sender. Dort gibt es zwar beizeiten immer wieder durchaus beherztes Filmprogramm, allerdings ausschließlich zu nachtschlafender Zeit, und man kann ja nicht ewig studieren.

Da freut es umso mehr, wenn hierzulande eine Kultureinrichtung nicht nur ihrem Bildungsauftrag nachkommt, sondern dies auch zu einer für die arbeitstätige Bevölkerung akzeptablen Tageszeit tut. Wie eben das Instituto Cervantes. Dort gibt es eine Woche lang skuril Genüssliches aus Barcelona. Ventura Pons at it´s best und das ohne am nächsten Morgen von den eigenen Augenringen erschlagen zu werden.

Go for Gold

Schaulaufen der Eitelkeiten soweit das Auge reicht. Opernbälle hier, Weltmeisterschaften dort. Und im Handgepäck stets mit dabei - die Bundeshymne. Ohne die geht nämlich gar nichts. Das ist wie beim Kochen. Ohne Schmalz wird das Kraut nicht fett.

Der Bundespräsident trällert aus voller Kehle, die werte Gemahlin vertut sich in der Strophe, die Regierungsmitglieder tun nicht einmal so als ob. Blecken stattdessen die dem Zeitgeist entsprechend perfekt gebleichten Beisserchen zum Rekord verdächtigen Dauergrinsen. Und dem Kanzler sprengt´s ob Stolz geschwellter Brust fast den Frack.

Parade der Honigkuchenpferde. Die lebende Prosecco-Flasche langweilt sich ein wenig inmitten ihres Hofstaates. Der Operndirektor macht der russichen Neoösterreicherin den Kutscher. Sie dankt´s ihm auf französisch. Alle sind glücklich. Wir sind die Guten.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Tiefkühlkost Posterboys endlich eine Medaille reissen. Dann ist alles in Butter. Tu felix Austria - cantate!




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.