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Fernsehen – verschwinden die Nachrichten?

Der Boulevard scheint es richtig zu machen. Ist er doch beim Montagsgespräch der Tageszeitung der Standard in aller Munde und läuft dem eigentlichen Thema nach der Frage des Verschwindens der Nachrichten den Rang ab. Lugner und Heinzl dürfen sich freuen. Ihre Nachricht ist die Inhaltslosigkeit, die von der Luftzirkulation lebt. Das scheint zu funktionieren und so wird viel heisse Luft darum auch in der streckenweise faktenarmen Diskussion zwischen Moderator Gerfried Sperl/ der Standard, Teddy Podgorski/ ehemaliger ORF-Gerneralindentant, Reinhard Christl/ Institutsleiter der FH-Wien, Markus Breitenecker/ Geschäftsführer Puls 4, Karl Amon/ ORF-TV-Chefredakteur und Christiane Spiel/ Institutsvorstand Universität Wien produziert.

Und man kommt einfach nicht auf den Punkt. Denn existiert die befürchtete Konkurrenz klassischer Nachrichtenformate mit dem Boulevard überhaupt und wenn ja, tatsächlich in für die Nachrichten bedrohlichem Ausmaß? Oder ist die Bedrohung eher künstlich agitiert aufgrund der aktuell zeitgleichen Programmierung der „Zeit im Bild“ auf ORF 2 und dem Unterhaltungsformat „Chili“ auf ORF 1. Bei diesem direkten Aufeinandertreffen geht der Sieg nach (Quoten)punkten übrigens eindeutig an die Nachrichtensendung. Und man stellt sich die Frage, wovor man sich hier eigentlich fürchten soll?

Die digitale Welt der New Media ist jung, hipp und konsuminteressiert. Misst sich der in die Jahre gekommene Qualitätsjournalismus an diesen Attributen, darf man sich über eine ausgeprägte Midlife-Crisis nicht wundern. Und die klassischen Medien dürften sich aufgrund der antizipierten Gefahr der Medienwelt 2.0 in einer ebensolchen Sinnkrise befinden. Das Selbstbewusstsein aufgrund sinkender Quoten ist im Keller, man glaubt, etwas haben zu müssen, was einem dieser virutelle Globus vorgaukelt und biedert sich in der Folge an dem sich mit diesen Bedingungen besser arrangierenden Boulevard an – es kommt zum Kräftemessen. Da wird dann versucht, alle Register der Verjüngung zu ziehen, auf Facelifts gesetzt und keiner fragt die Konsumentinnen und Konsumenten was ihnen denn am alternden Gesicht des Qualitätsjournalismus nicht gefällt und ob es überhaupt daran liegt, dass sie … ja, was macht das Publikum eigentlich?

Der Fernsehkonsum steigt in den Industrieländern stetig. Fernsehen ist nach wie vor das Nachrichtenmedium Nummer 1 ­– vor allem auch bei Kindern, Jugendlichen und Personen mit Migrationshintergrund. Das Internet holt auf, doch darf man bei aller Überdigitaliserung nicht vergessen, dass es weltweit ein doch noch recht kleiner Teil ist, der über die technischen Voraussetzungen zum Internetkonsum verfügt und auch hierzulande durchaus milieu- und vor allem auch geschlechterbezogene Unterschiede im Zugang zu Internet & Co. zu finden sind. Ganz abgesehen von der Frage, was denn eigentlich tatsächlich konsumiert wird, wenn man denn dann drin ist – im Netz.

Doch zurück zum Thema: Das Verschwinden der Nachrichten. Denn davon kann wohl kaum die Rede sein, zumindest wenn man den Herren Amon und Breitenecker zuhört, die sich matchen, wer denn nun mehr Nachrichtenformate in seinem Sender hat.

Und wieder sind wir dort, worum sich die Diskussion die ganze Zeit dreht. Um die Quantität. Wie lang, wie oft. Bubengespräche – und vielleicht ist es ja auch nicht ganz zufällig, dass hier nur Männer am Podium sitzen. Ausgenommen Frau Spiel, die nicht nur die einzige Frau in der Runde ist, sondern auch die Einzige, die zwar Bildungs- aber eben nicht Medienexpertin ist, im Gegensatz zu ihren Mitdiskutanten. In Anbetracht der Tatsache, dass das Fernsehen und die Medienwelt im Allgemeinen nach wie vor ein Männerbetrieb ist, ein nicht zu vernachlässigendes Detail.

Doch unabhängig von Formatanzahl und Sendungslängen haben Nachrichtensendungen an zwei Fronten zu kämpfen. Einerseits wird eine inhaltliche Ernsthaftigkeit erwartet, die zunehmend an Protagonistinnen und Protagonisten scheitert, die diese konterkarieren – Stichwort Kasperltheater Politikbühne. Zudem scheint sich unter Zuseherinnen und Zusehern eine Art Weltpessimismus breit zu machen, der die Auseinandersetzung mit dieser Welt nicht wirklich als erstrebenswertes Freizeitprogramm erscheinen lässt. Entweder aufgrund eines Ohnmachtsgefühls gegenüber globalen Entwicklungen oder aus purem Desinteresse, da der Konnex zur eigenen Lebenswelt und den damit in Verbindung stehenden Bedürfnissen nicht vorhanden zu sein scheint.

Nachrichten müssen die Menschen ansprechen und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Sie müssen ihre Sprache sprechen. Die Gesellschaft ist bunter geworden und vielschichtiger. Die Lebenswelten des Fernsehpublikums haben sich seit den 50iger Jahren massiv verändert. Die inhaltliche Aufbereitung der Nachrichten hat hier Nachholbedarf. Der Qualitätsjournalismus verwirkt viel Potential, wenn er seinem Publikum in diesem Punkt nicht entgegenkommt. Das muss sich sowohl vor als auch hinter der (Nachrichten)kamera widerspieln und auf die Berichterstattung abfärben. Wo bleiben Nachrichten mit Fokus auf die weibliche Zielgruppe, auf unterschiedliche Ethnien, Religionen, Lebensstile und sexuelle Orientierungen. Das Zauberwort ist Diversität. Wirtschaftsunternehmen haben das Potential, das sich für sie dahinter verbirgt längst erkannt, der Boulevard sowieso. Doch seine Vielfalt ist ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit. Da braucht es ein regulierendes Gegengewicht – den Qualitätsjournalismus. Der im Übrigen die digitale Revolution auch in diesem Zusammenhang weniger als Bedrohung der klassischen Medienwelt als vielmehr als Herausforderung betrachten kann. Denn ohne qualitativ hochwertige Aufbereitung der Fülle an Information, die im und durch das World Wide Web generiert wird, laufen wir alle Gefahr am Ende bloß eins zu sein: Overnewsed but uninformed!

Alpenglühen und Rathausfrau

Der Himmel öffnet seine Schleusen und man selbst sich der großen, weiten Welt des Boulevards und erfährt, dass der Wiener Rathausmann eine Gefährtin bekommen soll. Denn wie es scheint, sehen die Grünen - zumindest jene in Wien - keine dringlichere Herausforderung als den einsiedlerischen Eisenmann zwangszubeglücken. Selbige Zwangsbeglückung erfuhr man beim regenbedingten Wahllos-Zapping auch als man TW1 streifte und einem nackte Tatsachen praller Almmaiden entgegenwogten. Sexy Heimat, jessasna!

… und ewig lockt das Weib

Sex sells, dachten sich wohl die Veranstalter des Große-Buben-Motorrad-Spektakels “Masters of Dirt” und ließen auf Satanico Pandemonium gestylte Mädels ein wenig in der Sandgrube rummachen und so den Titti Twister grüßen. Nur, dass der halt die Wiener Stadthalle war und die Herren mit ihren motorisierten Zweirädern zwar durchaus spektakulär durch die Lüfte wirbelten, doch die Fernsehmoderation des Events mehr als zu wünschen übrig ließ.

Kermit der Frosch dürfte sich hinters Mikro verirrt und einen ebensolchen verschluckt haben. Und der Stimme nicht genug, wurde das Dargebotene auch noch rohypnolisierend verbalisiert, da halfen auch die Einlagen des Robotman Ronnie Renner nicht mehr viel. Getoppt wurde die Moderationschose dann nur noch vom aufstrebenden Jungreporter, der die Cordoba backflipenden Zweiradakrobaten siezte. Bitte, lieber ORF Sport Plus, wenn schon Freestyle, dann bitte auch im Moderationsstyle, weil sonst wird die Sache steif, wie so mancher (post)adoleszenter Hosenschritt beim Anblick der holden Mädchenschar.

Insel der Seeligen

 

Während erst kürzlich und vor allem höchst boboesk im Forum Mozartplatz über ein postuliertes Darniederliegen der österreichischen Fernsehkreativen viel heiße Luft produziert wurde, zeigt die Donnerstag Nacht im ORF wohin der Weg gehen kann und vor allem auch muss. Herr Eden auf Besuch im Willkommen Österreich Wohnzimmer war zwar durchaus jenseitig, aber trotz oder gerade wegen gnadenlos machistischer Erbärmlichkeit ein Leckerbissen neben einer immer braven und artigen Claudia Stöckl und ein perfektes warm-up für das köstliche Fernsehereignis “Little Britain“. Wenn das öffentlich-rechtlicher Funk ist, dann immer gerne und vor allem mehr, mehr, mehr.

Und weil dem jetzt nicht wirklich was hinzuzufügen ist, war´s das dann auch schon für heute und man freut sich auf den kommenden Donnerstag.

 

2008

Slowenien übernimmt den EU-Vorsitz und damit auch das Bummerl zur nach wie vor ungelösten Kosovo-Frage, in Pakistan & Co. wird geselbstmordattentätert und die derowegen zur Märtyrerin aufgestiegene Frau Bhutto begraben. Hier zwängt sich die politisch wahrscheinlich höchst unkorrekte Frage nach dem Geschlecht der, im Paradies auf die im WahlKAMPF Gefallene, wartenden Jungfräulichen förmlich auf.

Die Antwort blieb auch der hierzulande im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kirchenbotschaftende und sichtlich papstverliebte Kardinal schuldig - im Sinne der Ökumene wahrscheinlich. Der fromme Gottesdiener war in seiner rührig vorgetragenen, erzkonservativen Neujahrsbotschaft primär darum bemüht, sich den eigenen Weg in den Garten Eden zu sichern, was ihm zumindest aus weltlich-medialer Sicht bravourös gelungen ist. Minutenlange Redezeit einen Tag vor dem Bundespräsidenten und das zur quotenstarken Hauptabendzeit. Es darf gemutmaßt werden, ob hier im Vorfeld irgendwo das Moltofon Sturm geläutet hat. Auf alle Fälle bemerkungs- wenn nicht sogar besorgniswert dieser kirchen/regierungspolitisch nicht zu unterschätzende Medialschachzug zum Jahresbeginn. Da sollte sich 2008 nicht nur die Fußball-Nationalmannschaft auf so manche gegenerische Ballzauberei gefasst machen, wenngleich zumindest für Hickersberger und Mannen laut Frau Rogers die Sterne günstig stehen - ein Anfang.

Und doch auch ein jähes Ende. Herr Grissemann ist nicht mehr. Zumindest nicht seidig modulierend während des Neujahrskonzerts und das ist mehr als bloß ein akustischer Tiefschlag. Frau Rett ist zwar bemüht, doch vor lauter leiser Säuseligkeit kaum hörbar und somit gar nicht gut nach dem silvesterlichen Ohrensalat. Zur Freude des Tages gibt es dann aber noch Feuerzangenbowle mit Herrn Rühmann und damit gleich den guten Vorsatz, auch im Neuen Jahr den Frohsinn nicht über ernster Geschäftigkeit zu vergessen.




Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.