Gerade wieder auf Reisen, muss man feststellen, dass der Zahn der Zeit nagt - und zwar neuerdings an der Sehkraft. Trotten die Beinchens immer noch brav vor sich hin, bringen einen Kommunikationsmissverständnisse zwischen Sehorgan und Hirnwindung immer öfter in höchste Sturzgefahr. Und das auch in Situationen, in welchem man nicht gerade mit Fahrrad bewaffnet auf Potsdamer Rolltreppen unterwegs ist und vom bockigen Drahtesel um ein Haar stranguliert wird. Glücklicherweise konnte man sich von diesem Schrecken bei einem kräftigenden Topf Bortsch in der russischen Kolonie erholen, das visuelle Kommunikationsproblem blieb davon aber unberührt. Und man hat, seit der Stadtplan kürzlich nur lesbar war, nachdem man den Unterarm Inspector-Gadget-mäßig ausgefahren hatte, einen Verdacht, der gruseln lässt - Weitsichtigkeit: ALTERSBEDINGT!
So passt man gut zur aktuellen Umgebung, denn auch im Chelsea Hotel ist der Lack ab, aber man altert mit Würde!
Im selbstgezimmerten Bücherschränkchen reihen sich die lonely planets Rücken an Rücken, Tramperrucksack, Isomatte und Kugelzelt sind noch immer bestens gewartet, doch irgendwie seit Jahren bereits einsatzlos, weil es einen statt in die weite Welt der Hostels und Couchsurfer dann doch eher ins weichgepolsterte Hotel very welcome im Gartenbaukino zieht.
Ein höchst unterhaltsamer Film über und für all jene, die, gefangen in der Saturiertheit westlicher Konsumlebenswelten, in jungen Jahren auszogen, um den Sinn des Lebens zu suchen. Dieser fand sich dann zumeist reicht schnell auf fernen Tramperpfaden, auf welchen sich der drogengeschwängerte und exzessiv körpersäfteaustauschende Egotrip ohne Maß und Ziel und vor allem besonders gut zum Beat der aufgehenden Sonne zelebrieren ließ. Abenteuerliche Busfahrten, nervenaufreibende Unterkunftssuchen - besonders beschwerlich wenn bei 40°C und schwerem Absinthkater - tonnenschwere Rücksäcke, knurrende Mägen und alle Unannehmlichkeiten des Streunertums landeten angesichts dieses Gefühlsoverflows recht schnell im Eck der romantischen Verklärung der Erinnerung.
Und so sitzt man heute im kuscheligen Kinosessel, wippt mit der Fußspitze zu Goatrance und träumt von der Jugend. Das nennt man dann mehr als mitten drin im Lebensalter der Erziehungsberechtigten wohl einen gelungenen Abend.
Der Trip nach Gao ist einfach schicker als der Campingurlaub am Oberilzer Stausee. Und zum Shopping kurz nach N.Y. geflogen auch hipper als der Einkauf im örtlichen Outlet-Mekka. Es wird rund um den Globus geflogen und das zu Billigsttarifen - dank wilder Preiskämpfe in luftigen Höhen. Mit dem sky hopping ist längst kein monetäres Problem mehr verbunden, vielmehr ein moralisches. Denn Yuppie ist heutzutage ja auch immer gerne ein bißchen Hippie. Aber wir brauchen weder auf unsere geliebten Super-Diskont-Flüge noch auf das hochgeschätzte und politisch höchst korrekte Weltverbesserungstum zu verzichten, gibt es jetzt doch ein Tool für die boboesk perfekte Augenauswischerei:
Suppenwürze