Blutsbrüder

11. Oktober 2010 | Von | Kategorie: Blickwinkel, Das philosophische Menuett

„Die Freiheitliche Partei hat bei den jungen Männern ein extrem überdurchschnittliches Ergebnis, bei den jungen Frauen hätte sie wahrscheinlich nicht einmal den zweiten Platz geschafft. Die wählen nämlich großteils die Grünen, vor allem wenn ein formal höherer Bildungsgrad hinzukommt.“, so der Politikwissenschafter Peter Filzmaier in einer Analyse zur Wiener Gemeinderatswahl.

Bildung – einmal mehr das Zauberwort? Nein, mit Zauber hat der Wahlerfolg der Wiener FPÖ – wie zuvor schon jener in der Steiermark – weniger zu tun als vielmehr mit der Tatsache einer suboptimalen Bildungs- und Integrationspolitik der aktuellen wie vergangenen Bundesregierung/en.

Bildung – das ist Macht. Das ist das Wissen, nicht nur um Allgemeines, sondern um die eigene Stellung in der Gesellschaft. Hier tun sich Chancen und Möglichkeiten auf, die ein pluralistisches Denken zulassen. Das Fremde wird hier nicht als Bedrohung, sondern Bereicherung gesehen. Mit einem solchen Selbstverständnis braucht es kein Wiener Blut als Existenzberechtigung.

Wie sieht es aber aus, wenn man sich aufgrund schlechter Ausbildung und fehlender Perspektiven zumindest subjektiv ohnmächtig gegenüber Staat und Gesellschaft wahrnimmt und dann einer daherkommt, der sagt „Ich glaube an euch“. Ein starkes Stück. Und ein Lehrstück in Sachen FRAMING. Denn er glaubt nicht nur an sie, er gibt ihnen auch Inhalte zurück, in denen sie ihren vermeintlichen Wert für und in der Gesellschaft wiederzufinden meinen. Ganz in der Tradition alter Heldensagen, muss die Gesellschaft – allen voran die Frauen – vor diversen Bedrohungen geschützt werden. Die Welt scheint voller Feinde, denen einzig und allein der fesche Recke H.C. und seine Gefolgschaft zu trotzen vermögen, wie es im FPÖ-Comicband Sagen aus Wien schließlich auch das Donauweibchen prophezeit.

Da werden Bubenträume war. Die FPÖ als Buberlpartei im wahrsten Sinne des Wortes. Strache als selbstinszeniert juveniler Oberplebejer wie Horvath´s Jugend ohne Gott entsprungen. Er bringt, was sie brauchen und hat Erfolg damit. Er ist in ihren Augen ein Held. Und Helden sind wieder gefragt, nicht nur in den Castingshows des öffentlich rechtlichen Senders.

Dass diese Helden außer populistischer Worthülsen kaum mehr zu bieten haben, geht in der Inszenierung unter. „Kill your idols“ sangen einst Sonic Youth – eine Metapher als Aufforderung hinter die Kulissen zu blicken und sich ein Bild von dem zu machen, was tatsächlich ist. Dafür braucht es Kritikfähigkeit – und die setzt Bildung voraus!

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