Glück auf!

15. Oktober 2010 | Von | Kategorie: Blickwinkel, Das philosophische Menuett

Das Wunder von Chile – ein Drama unter Tage geht als Medienspektakel zu Ende und aus Kumpel werden Lieblinge der Öffentlichkeit. Was in dem Trubel unterzugehen scheint, ist die Tatsache, dass die Männer 69 Tage in fast 700m Tiefe gefangen waren, weil die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen in der Mine mangelhaft und Unfälle an der Tagesordnung waren. Die mediale und vor allem auch politische Inszenierung der Rettungsaktion lässt die katastrophalen Umstände, unter welchen die Bergleute zu arbeiten hatten, verblassen.

Man spricht von Unglück und Wunder. Begriffe, die sowohl den Unfall per se als auch die Rettung der Bergleute als zufällig oder von göttlicher Hand gelenkt verstehen lassen. Doch es waren durch Menschhand herbeigeführte, suboptimale Förderbedingungen, die dazu führten, dass 33 Männer in dem betreffenden Bergwerk eingeschlossen wurden. Dies haben die Minenbetreiber zu verantworten und entsprechende öffentliche Kontrollorgane mit deren Billigung unter diesen Umständen gefördert werden durfte. Ob der Präsident, der sich nun mit den geretteten Kumpel als Held der Nation feiern lässt, davon wusste, sei dahingestellt.

Tatsache ist, dass die Öffentlichkeit – nicht zuletzt aufgrund des großen medialen Interesses – den Bergleuten das Leben gerettet haben dürfte. Denn es darf gemutmaßt werden, ob die Hightech-Performance in der Atacama-Wüste auch ohne weltweites Medienecho so vorangeschritten wäre, wie eben geschehen. 33 Männer tief unter der Erde bekamen durch die Medien die Stimme von Millionen. Das ist Macht und das ist – in diesem Fall – auch gut so.

In China starben allein im Vorjahr weit über 2000 Bergleute bei Unfällen in Minen. Sie wurden totgeschwiegen – im wahrsten Sinne des Wortes.

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